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Pulsierendes Berliner Milieu in Bad Bentheim

des Berliner Milieu in Bad Bentheim
Musicalstimmung vor dem U-Bahnhof. Die Akteure der Freilichtspiele verkörpern in „Linie 1“ glaubwürdig das „Multikulti“ der Großstadt. .

Penner, Witwen, Rentner, Arbeiter, Ausländer, Spießer und Skins: Die „Linie 1“ gabelt sie alle auf und spuckt sie an diversen Berliner U-Bahnhöfen wieder aus. Sehenswertes Musical auf der Bad Bentheimer Freilichtbühne.

Bad Bentheim. Das Fazit vorweg: Egal wie beschissen das Leben ist, habe „Mut zum Träumen, von einem Leben das brennt“. Auf der Bühne knistert und funkt es dementsprechend heftig - schließlich entlädt sich sogar ein echtes Feuerwerk. Das Musical „Linie 1“ (Autor: Volker Hauf, Musik: Birger Heymann) greift Großstadtleid und -freud auf, schildert die verschiedenen sozialen Milieus und ist vor allem eins: eine Liebesgeschichte. Und noch etwas sollte vorab bekannt sein. Das Stück (uraufgeführt am 30. April 1986) wurde der größte Erfolg des Berliner Grips Theaters. Wegen der technisch recht aufwendigen und teuren Show deckte der Kartenverkauf jedoch nicht die Kosten, was das Theater damals in arge Finanznöte und bis kurz vor den Ruin brachte.

Worum geht’s? – Sunny (Male Meyer) ist ein Mädchen aus der Provinz, das in Berlin seinen Schwarm, den Sänger Johnnie (Premiere: Hauke Scheffel / Matthias Maquardt) sucht. Dabei fährt Sunny mit der U-Bahn-Line 1 durch die Stadt und begegnet dabei den verschiedensten Typen. Es sind die Randgestalten, die Sunny kennenlernt und damit auch die Schattenseiten der oft so verlockend wirkenden Großstadt. Wiederholt trifft sie auf Bambi (Phillip Schröder), Schlucki (Frank Wargers), Lady (José Krommendijk), Risi (Premiere: Leonie Dietz / Katharina Jalink), Bisi (Ulrika Spering) und wird eine Zeitlang von Maria (Eva-Maria Schevel) begleitet. Nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle gibt es ein Happyend: Das Mädchen findet seinen Traumprinzen, nicht Johnnie, sondern den Jungen mit Hut (Patrick Pruban), der es die ganze Zeit still verfolgt hat.

Sprachlich derb geht es bei der „Linie 1“ zu, kraftvoll im Berliner Slang und das spürbar mit Lust. Die Darstellerinnen und Darsteller (sie alle namentlich zu nennen würde die Kapazität der Seite sprengen) gehen allesamt in ihren Rollen auf, manche auch im fliegenden Wechsel, weil sie gleich mehrere Typen verkörpern. Herrlich das zankende Ehepaar (Antje und Heiko Arnink) mit den sich kloppenden Gören Kevin und Justin (Tina Rosenski und Niklas Roling). Nicht grundlos stellt Bisi fest: „Wer heiratet, muss doch einen Hammer haben.“ Und im Berlin der achtziger Jahre ist auch das schwule Männerpaar (köstlich: Phillip Schröder und Lars Somberg) noch ein echter Aufreger, herzhaftes Publikumsgelächter erntete Somberg zudem als Anmacher Horst mit seiner Erektion auf der Bühne.

Auch Chantal (Gisela Rosenski) wird begeistert bejubelt, als die nicht mehr ganz junge Schöne ihre Beine zeigt, stark auch Eva-Maria Schevel als Maria. Ausländerfeindlichkeit ist ebenfalls Thema in dem Stück. Tamile (Beate Bardenhorst) beklagt singend „so viel Hass und so viel Polizei“, aufgebracht schimpft Dumpfbacke Erich (Axel Sigwart) über die „Kanaken“. Mit Chuzpe kontert die ältere Frau (Magret Winkelmann) gegen die fünf lästernden Witwen: „Das sind dumme Puten, die die Pension ihrer Nazi-Männer in Schwarzwälder Kirschtorte anlegen.“

Unterbrochen wird das in all seinen Facetten flammende Leben, als Lumpi (Mareile Beernink) sich vor die U-Bahn wirft. Der Selbstmord ist tragischer Höhepunkt im Stück, ein hilfloses „Warum?“ steht im Raum. Nur kurz, denn das Leben gewinnt Oberhand und mit ihm die Liebe, der Countdown zu Sunnys Happyend läuft.

In der „Line 1“ regnen die Klischees, die das Freilichtbühnenteam mit Witz und Charme präsentiert. Es bleibt den Zuschauern überlassen, ob sie ein Stück Realität wiedererkennen oder sich einfach nur amüsieren wollen. Ursprünglich auch sozialkritisch angelegt ist das Musical heute vor allem eins: Unterhaltung. Die gelingt der Bad Bentheimer Produktion, die mit einem tollen Bühnenbild (Kompliment an Ideengeber Peter Strieder und das Bühnenbauteam!) einen Hingucker hat, dank einer nicht minder tollen Choreografie (Carolin Grönninger), fetziger Musik (Musikalische Leitung: Thomas Lischik), farbenfroher Kostüme (Rosemarie Meyenberg und Team) sowie einer einfühlsamen Regie (Sonja Wassermann). Einziger Wehrmutstropfen: Ton und Lautstärke, was besonders bei den Gesangsoli empfindlich stört. Dem Applaus zum Schluss tat das am Sonnabend keinen Abbruch. Die Zuschauer pfiffen und jubelten so lange, bis sie ihre Zugabe erhielten.

Bildergalerie

Premiere Linie 1 auf der Freilichtbühne

Das Stück "Linie 1" hat auf der Freilichtbühne in Bad Bentheim seine Premiere gefeiert.

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