Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
rating rating rating rating rating

200.000 Euro für neuen Luxus-Lokus in Quakenbrück?

uro für neuen Luxus-Lokus in Quakenbrück?
Gut 18 Jahre alt ist die öffentliche WC-Anlage auf dem Neuen Markt – und reparaturanfällig. Die Stadt plant, sie zu ersetzen. Foto: Christian Geers

200.000 Euro möchte die Stadt Quakenbrück in ein neues öffentliches WC investieren. Viel zu viel Geld, meint eine Mehrheit im Ausschuss für Planen und Bauen des Stadtrates.

Quakenbrück. Stiller kann das gewisse Örtchen auf dem Neuen Marktplatz in Quakenbrück kaum sein. 1999 hatte die Stadt die öffentliche WC-Anlage angeschafft und in einer hinteren Ecke aufgestellt, einen Steinwurf vom Friedhof der St.-Marien-Gemeinde entfernt.

Vor 18 Jahren war die Toilette ein sanitäres Schmuckstück, 220.000 D-Mark teuer, die Neuheit schlechthin, ein echter Hightech-Lokus. „Es handelte sich um eines der ersten Modelle von sich selbst reinigenden Toilettenanlagen europaweit“, sagt Frank Wuller, Quakenbrücks stellvertretender Stadtdirektor. Die Technik hatten französische Ingenieure entwickelt, die den Klosettkonstrukteuren hierzulande offenbar weit überlegen waren. „Solche Anlagen wurden seinerzeit nicht von deutschen Unternehmen angeboten“, ergänzt der Fachbereichsleiter für Planen und Bauen.

„Gepflegt, aber anfällig“

Die Toiletten, zwei Unisex-Kabinen – sowohl für die Dame als auch den Herren konstruiert – und das Pissoir sind fast zwei Jahrzehnte nach ihrer, na, sagen wir, Einweihung in die Jahre gekommen. Wuller legt Wert auf die Feststellung, dass die Toiletten funktionstüchtig seien und sich „in einem gepflegten Zustand“ befänden, „natürlich mit Abnutzungserscheinungen, die dem Alter entsprechen“. Soll heißen: Mechanik und Elektronik machen ab und an Zicken, Ersatzteile sind schon lange nicht mehr zu bekommen. Aber es gebe zum Glück die Mitarbeiter des Bauhofes und Quakenbrücker Firmen, lobt Frank Wuller deren Improvisationsgeschick. „Bei Schäden haben sie es immer wieder geschafft, die Anlage gängig zu machen.“ Wie lange das noch gut geht mit der notdürftigen Reparatur, weiß er nicht, deshalb rechnet er mit dem Schlimmsten: „Ein endgültiger Ausfall kann in absehbarer Zeit eintreten.“

Pro Jahr gibt die Stadt übrigens 11.300 Euro für das WC aus, den Großteil für Reparaturen (7000 Euro), 3800 Euro für Strom und Wasser, 500 Euro für Reinigungsmittel. Demgegenüber stehen Einnahmen aus der Benutzung in Höhe von 316 Euro.

Ist das persönliche Bedürfnis eine öffentliche Angelegenheit? Auch darum ging es in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Als sich die Mitglieder penibel durch jedes Produkt und jede Kostenstelle des Etatentwurfs arbeiteten, stießen sich einige an einer sechsstelligen Summe unter der Position Gebäudemanagement: 200.000 Euro hatte die Verwaltung für eine neue öffentliche Toilette eingesetzt.

So teuer wie ein Haus

Einer von ihnen war Andreas Henemann (Die Grünen). Hörbar erstaunt, plädierte er dafür, den Betrag zu streichen und nach einer preisgünstigeren Alternative zu suchen. Er bekam Unterstützung: von Jürgen Götting (CDU), dem der Anschaffungspreis für das etwa 40 Quadratmeter große öffentliche WC in keinem Verhältnis steht. „Dafür kriegt man ja ein schönes Haus.“ Und von Manfred Neebuhr (FDP), der vorschlug, auf den Neubau zu verzichten und die jährlichen Kosten für die Wartung anderweitig zu investieren.

„Es muss auf alle Fälle eine Lösung her“, forderte Paul Gärtner. Der SPD-Ratsherr, der auch als versierter Gästeführer Touristen die Schönheiten der Burgmannstadt vor Augen führt, weiß, dass dabei ein öffentliches WC vonnöten sein kann. Neebuhrs Vorschlag sei zu überdenken, „es muss aber unbedingt etwas passieren“.

Andreas Maurer (Die Linke) überraschten die Anschaffungskosten ebenfalls, aber eine Stadt von der Größe Quakenbrücks müsse rund um die Uhr eine Toilettenanlage für Besucher vorhalten. „Ein Neubau wäre übrigens barrierefrei, das sind längst nicht alle Toiletten in den Gaststätten. Das sollten wir bedenken, sagte er. Sein Vorschlag: Die Kosten könnten über zwei Jahre gestreckt werden und ein nagelneues WC-Häuschen erst im kommenden Jahr angeschafft werden. Auch Bernhard Stöver (CDU) hielt es für angebracht, erst 2018 darüber zu entscheiden, ob auf dem Neuen Marktplatz das allzumenschliche Gefühl der Erleichterung weiterhin zu erleben sein soll oder nicht. „Das WC funktioniert bis jetzt ja noch.“

Nach diesen Argumenten war der Drang nach weiterem Austausch am Ratstisch nicht mehr zu vernehmen. „Irgendwie muss ein menschliches Grundbedürfnis ja befriedigt werden“, brachte Ausschussvorsitzender Ludger Greten (CDU) die Gemengelage auf den Punkt. Sein Vorschlag: Gemeinsam mit der Initiative Quakenbrück (IQ) und „ohne Denkverbote“ solle die Stadt nach einer „intelligenten Lösung“ suchen und am Ende entscheiden, ob das Konzept tragfähig sei oder nicht. Die 200000 Euro sollten erst einmal gestrichen werden.

Gegen die beiden Stimmen der Fraktion Die Linke empfahl der Bauausschuss dem Stadtrat, bei der Abstimmung über den Haushalt 2017 Anfang März so zu verfahren.

Karte

Diesen Artikel

bewerten

rating rating rating rating rating

weitersagen

  • Twitter
  • Facebook
Artikel versenden

sichern

Drucken

empfehlen

Die Meinung unserer Leser

0 Leserkommentare


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Mehr aus diesem Ressort

Ein bisschen mehr als nur „Wedeln“

hen mehr als nur „Wedeln“

Die Leute zum Schwitzen bringen, das ist für Christian van Triest ein leichtes Spiel. Seit 2012 heizt er in der Sauna des Linus ein. Jetzt will er „Deutscher Aufguss-Meister“ werden. mehr...

„Emsland ist ein starkes Stück Bistum“

ist ein starkes Stück Bistum“

Zahlreiche Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen Wirtschaft und Kirche sieht Bischof Franz-Josef Bode. Diese hat er in seinem Vortrag vor rund 200 Vertretern der emsländischen Wirtschaft in Lingen aufgezeigt. mehr...

Video: Käfer, Bullis und Co bei VW-Treffen

fer, Bullis und Co bei VW-Treffen

VW-Freunde sind am Wochenende am Speicherbecken in Geeste auf ihre Kosten gekommen. Zahlreiche Oldtimer kamen zur 19. „Air-Cooled Show“. Vor allem Käfer und Bullis waren zu sehen. Eindrücke gibt es im ev1.tv-Video. mehr...

Neueste Top-Themen
Neueste
Heute meistgelesen
Heute gelesen
Soziale Netzwerke
  • GN-Online bei Facebook
  • GN-Online bei Twitter
  • GN-online bei google plus
E-Paper
  • GN-App im Apple-Store
  • GN-E-Paper als html5-Version
  • GN-App im Google-Play-Store
Jugendmagazin
Neueste