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Alkohol birgt lebenslange Folgen fürs Baby

irgt lebenslange Folgen fürs Baby
Die Referenten (von links) des 14. Fachtages des Eylarduswerkes: Dr. med. Mirjam Landgraf, Gila Schindler, Klaus ter Horst (Psychologischer Leiter des Eylarduswerkes), Dr. Reinhold Feldmann. Foto: Kuhn

5000 Babys kommen in Deutschland mit dem Fetalem Alkohol-Syndrom zur Welt. Das schätzen die Experten, die sich in Gildehaus getroffen haben. Sie berieten über die Folgen fürs Kind und die schwierige Diagnostik.

Gildehaus. „Wir hätten einen doppelt so großen Fachtag organisieren können, aber in der Gildehauser Kirche ist nur Platz für 330 Teilnehmer“, sagten Eylarduswerk-Vorstand Detlev Krause und der Psychologische Leiter Klaus ter Horst im Gespräch mit den GN. Bis zu zuletzt hatte es Anrufe gegeben, ob nicht doch noch ein Platz frei wäre. Allein auf der Warteliste standen 200 Namen. „Hinter der FAS-sade“ – ein Update zur Fetalen Alkoholspektrum-Störung hieß in diesem Jahr das Thema des 14. Fachtages. Es stieß vor allem bundesweit bei den Jugendämtern auf riesiges Interesse. Fast 100 Mitarbeiter aus diesem Bereich waren angemeldet.

Schwierige Diagnostik

Denn die Störung ist schwer zu diagnostizieren und es gibt erhebliche rechtliche Fragen, ob Kinder mit einem solchen Störungsbild in ihren Ursprungsfamilien bleiben können, wo Alkoholkonsum in aller Regel eine große Rolle spielt, oder sie in Pflegefamilien untergebracht werden können. In solchen Familien ist jedes vierte Kind von einer FAS-Störung betroffen.

Sympthome

Die Experten sprechen von einer Vergiftung des Gehirns, die sich auf drastische Weise auf die Zellentwicklung auswirkt. Die lebenslangen Folgen: Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, die schulischen Erfolg unmöglich machen, Gleichgültigkeit Emotionen gegenüber (mit Lob und Strafe kommt man deshalb nicht weiter), wenig Hunger und Durst, Distanzlosigkeit, was Freundschaften sehr erschwert. Fachleute gehen von 800.000 Betroffenen bundesweit aus. Sie schätzen, dass knapp ein Prozent der schwangeren Frauen gefährdet ist, da das Wissen über den Alkoholkonsum in diesen neun Monaten noch immer nicht sehr ausgeprägt ist. Oder die Schwangerschaft zu später realisiert wird. Deshalb soll in der Grafschaft das Netzwerk noch ausgeweitet werden, damit auch Gynäkologen, Hebammen und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen mit den neuesten Informationen versorgt werden.

Experten

In Gildehaus waren am Mittwoch von neun Uhr an bis zum späten Nachmittag mit insgesamt 16 Workshops die in Deutschland auf ihrem Gebiet absoluten Experten als Referenten geladen. Über „Die Diagnose des Fetalen Alkoholsyndroms nach den S 3-Richtlinien“ gab Ärztin und Psychologin Dr. Mirjam Landgraf von der Uni München, einen Einblick in die von ihr mit entwickelte Diagnostik. Sie schult auch Ärzte und Psychologen.

Folgen des Syndroms

Dr. Reinhold Feldmann hat viele Studien zu dem Thema veröffentlicht und gilt als der versierteste Diagnostiker in FAS-Fragen. Er leitet inzwischen eine FAS-Ambulanz in Walstedde. Sein Thema: „Die Folgen des Fetalen Alkoholsyndroms für die betroffenen Kinder, deren Bezugspersonen, Familien, Jugendhilfe und Schule“. Er benannte auch konkrete Auswirkungen: Denn FAS-Kinder seien nicht per se faul, sie müssten für ihr Denken schlicht mehr Energie aufwenden. Für solche in Werkstätten arbeitenden Kinder bedeutet das: Sie brauchen häufiger Pausen und sind nicht so belastbar.

70 Prozent benötigen lebenslange Hilfe

Über sozialrechtliche Aspekte und aktuelle gesetzliche Entwicklungen informierte Gila Schindler, Fachanwältin für Sozialrecht aus Heidelberg. Denn selbst die vielen Profis, die in der Jugendhilfe mit FAS-Kindern zu tun haben, müssten ihr Handeln immer aufs Neue an den gerade gelten gesetzlichen Regeln ausrichten. So gelte zum Beispiel ab 2018 eine neue Definition von Behinderung im Sozialgesetzbuch. Schindler erläuterte, was das für die Betroffenen bei Fragen der Eingliederungshilfen bedeutet. Denn in den meisten Fällen geht es um eine Betreuung von Betroffenen weit über die Volljährigkeit hinaus: 70 Prozent benötigen lebenslange Hilfe. 20 führende Experten aus ganz Deutschland waren eingeladen, um auch am Nachmittag über aktuelle medizinische, therapeutische, pädagogische, schulische und rechtliche Entwicklungen zu informieren.

26 Prozent der schwangeren Frauen trinkt

Auf dem Fachtag 2008 war das FAS-Thema auch für viele Fachkräfte noch neu. Inzwischen ist bekannt, dass jedes Jahr mehr als 5000 Kinder mit dem Fetalen Alkoholsyndrom geboren werden – also mit geistig und körperlich irreparablen Schäden. Sehr viele der Kinder leben in Pflegefamilien oder in der stationären Jugendhilfe. Der Fachtag 2017 sollte ein Hinweis auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Fachkräfte in ihren jeweiligen Disziplinen sein. „Nur so ist eine nachhaltige Hilfe möglich“, sagte Detlev Krause einleitend. Eine Zahl verdeutlich die Notwendigkeit: Noch immer trinken 26 Prozent der Frauen in der Schwangerschaft Alkohol. „Mögliche Schäden sind durch Alkoholverzicht zu 100 Prozent vermeidbar“, mahnte Krause.

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