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Alte Produktionsstätte mit viel Potenzial

In dem Backsteingebäude von „Schümer Werk II“ ist die Schüttorfer Textilgeschichte allgegenwärtig. Die Initiative für ein Bürger- und Kulturzentrum möchte eine Diskussion über die Zukunft des Gebäudekomplexes anregen.

Bildergalerie

Besichtigung Schümer Werk II

Schüttorf. Die ehemalige Textilfabrik „Schümer Werk II“ an der Nordhorner Straße gehört zu den imposantesten Gebäuden in Schüttorf. Am Sonnabend bekamen Interessierte die Gelegenheit, hinter die Fassade des 1901 errichteten Backsteinbaus zu blicken. Der Einladung der Schüttorfer Bürgerinitiative für ein Bürger- und Kulturzentrum in der Vechtestadt waren Vertreter fast aller Parteien gefolgt. Auch weitere Akteure der Schüttorfer Stadt- und Kulturszene wie Vertreter des Unabhängigen Jugendzentrums „Komplex“ und Heiko Brüning, der neue Verantwortliche für das Stadtmarketing, machten sich ein Bild von dem Gebäudekomplex.

Mit Rainer Harmsen übernahm ein fachkundiger Insider die Führung. Harmsen, der auch zur Gilde der Schüttorfer Stadtführer zählt, hat in den 1980er-Jahren seine Ausbildung zum Elektriker bei Schümer gemacht. Außerdem stand mit Friedrich Kröner auch ein Mitglied aus der Besitzergemeinschaft den Besuchern Rede und Antwort und berichtete über die Vergangenheit des Werks. Insgesamt umfasst die Besitzergemeinschaft acht Gesellschafter, die aus den Familien Kröner und Rost stammen.

Drei Etagen und über 5000 Quadratmeter

Bei dem Rundgang wurde die Bedeutung deutlich, die das Textilhandwerk einmal für Schüttorf hatte. Vom Rohgewebelager über den Automatensaal, die Spulerei und die Schlichterei erstrecken sich die Räumlichkeiten auf drei Etagen und über 5000 Quadratmeter. Die oberste Etage konnte die Gruppe allerdings nicht besichtigen, weil dorthin nur ein Aufzug führt. „Der ist aber außer Betrieb. Daran sind wir beim letzten Mal steckengeblieben“, berichtete Kröner. Der Zahn der Zeit nagt auch an anderen Stellen an dem Gebäudekomplex. So haben einige Räume Wasserschäden. Die ist vor allem eine Folge des Leerstands. So werden Schäden oder Verstopfungen an den Wasserleitungen nicht sofort entdeckt und es entstehen Schäden.

Momentan ist die Nutzung des ehemaligen Fabrikgeländes unterschiedlich. Einige Räume wie das alte Kesselhaus sind vermietet. Andere Räume dienen als einfache Lagerfläche für verschiedene Nutzer. So ist in dem Gebäude ehemaliges Mobiliar der Oberschule ebenso zu finden, wie Kartons für den „Wiesnkrempel“-Flohmarkt oder Autos mit Oldtimer-Charakter. In den meisten Sälen und Büroräumen sind aber auch noch Relikte der Textilindustrie zu finden. Ehemalige Webstühle, die teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammen, gehören ebenso dazu wie Spulanlagen, Garnständer oder Stoffproben. „Wir sind jahrelang aus allen Nähten geplatzt. Hier standen früher mehr als 550 Webstühle“, berichtete Kröner. Auch in den 1980er-Jahren florierte das Geschäft noch. „Da haben wir allein eine Million Meter von diesem typischen Schümerstoff gewebt“, sagt der Mitbesitzer und zeigt auf schwarz-weiß karierten Stoff, der noch in der Ecke liegt. Bei dem Gang durch die Fabrik werden Erinnerungen an die Vergangenheit geweckt.

Kulturzentrum nur ein Mosaikstein

Die meisten Teilnehmer der Führung haben aber gleichzeitig die Zukunft im Blick. Im Verlauf der rund zweistündigen Besichtigung bilden sich immer wieder kleine Gesprächszirkel. Der Fantasie sind angesichts der großen Räume im Industriecharme kaum Grenzen gesetzt. Neben einem kulturellen Zentrum werden auch Ideen für ein Innovationszentrum, Kreativwerkstätten, Ateliers oder Loft-Wohnungen diskutiert. Das war auch eine Intention der Schüttorfer Bürgerinitiative. „Uns ist es wichtig, einen Eindruck über die Möglichkeiten in diesem Gebäude zu vermitteln und Diskussionen darüber anzuregen“, betonte Heetdeerks. Ein Bürger- und Kulturzentrum ist dabei nur ein Mosaikstein. „Hier hat man auf Jahrzehnte enorme Entwicklungsmöglichkeiten“, ist sich „Komplex“-Leiter Frieder Heckmann sicher. Das gilt auch für die Außenflächen, die die Fabrik in Richtung Nordhorner Straße, Wietkamp und Eichenstraße umgeben.

Was die gewonnenen Eindrücke für die aktuellen Planungen des Bürger- und Kulturzentrums bedeuten, werden die Diskussionen in den Parteien, die mit zahlreichen Ratsmitgliedern an dem Ortstermin teilgenommen haben, in den kommenden Wochen zeigen. Die Potenziale von „Schümer Werk II“ sind augenscheinlich, die Kosten einer Verwirklichung allerdings auch. Bei allen Beteiligten herrschte am Sonnabend Klarheit darüber, dass so ein Leuchtturm-Projekt nicht annähernd für die 2,7 Millionen Euro zu bekommen ist, die aktuell für das Bürger- und Kulturzentrum veranschlagt sind.

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