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15.05.2017ratingratingratingratingrating

Bau am Osterberg erhitzt die Gemüter

terberg erhitzt die Gemüter

Direkt hinter dem Zaun, der den jüdischen Friedhof in Bad Bentheim einschließt, erhebt sich das Gebäude, das gerade umgebaut wird. Foto: Konjer

Der Umbau eines Hauses in Bad Bentheim passt einigen Menschen nicht. Das liegt vor allem an der Lage am jüdischen Friedhof.

Bad Bentheim. „Eine Schande“, findet eine Bad Bentheimerin, die nicht genannt werden möchte. Damit würde der jüdische Friedhof entweiht, kritisiert Jürgen Schevel, der ebenfalls in der Burgstadt wohnt. „Vielleicht wird das ja die neue Friedhofskapelle“, ironisiert er und fragt sich, wer diesen Bau genehmigt hat. Genehmigt wurde die Umbaumaßnahme eines Wohnhauses am Osterberg vom Landkreis im August vergangenen Jahres. Die Stadt Bad Bentheim sei im Genehmigungsverfahren beteiligt gewesen und hätte ihre Zustimmung zu dem Umbau ohne Bedenken erteilt, antwortet Pressesprecher Jürgen Hartmann vom Landkreis auf GN-Anfrage.

Die Nachbarn hätten wie üblich die Möglichkeit, die Pläne bei der Kreisverwaltung einzusehen. „Bei einem historischen jüdischen Friedhof geht der jetzige Abstand überhaupt nicht“, bemängelt der in Bad Bentheim lebende Landschaftsarchitekt Hans Schröder. Schon aus Pietätsgründen würde man nicht so nahe an einen Friedhof bauen. Stattdessen fordert Schröder, dass der Flächennutzungsplan und die veralteten Baupläne „hinsichtlich einer vernünftigen von Funktionen geprägten, ökologischen und klimafreundlichen Entwicklung der Stadt“ überarbeitet werden. Damit würde die Bauwut beschränkt und trotzdem Investoren und Architekten fachlich saubere Rahmenbedingungen an die Hand gegeben.

Keine baurechtlichen Bedenken

„Meines Erachtens wirkt das Gebäude auch nach seinem Umbau in der Ansicht von Süden unauffällig“, erklärt der Erste Stadtrat Heinz-Gerd Jürriens auf Nachfrage und erläutert: „Es handelt sich um eine Aufstockungsmaßnahme. Das Satteldach ist abgenommen und ein Geschoss sowie ein Sattelgeschoss aufgesetzt worden. Ich habe im letzten Jahr das Einvernehmen zur Baugenehmigung für diese Baumaßnahme erteilt. Ein Bebauungsplan existiert hier nicht. Das Gebäude muss sich in seine Umgebung einfügen.“

Das sieht Jürriens als gegeben, denn das Gebäude nehme die Höhe des westlich davon gelegenen Gebäudes auf. Er stimme allerdings zu, dass die Intimität des Friedhofs durch die Baulichkeit beeinträchtigt sei, lenkt der Stadtrat ein. „Allerdings war dort immer eine Bebauung und die ‚Ursünde‘ des Heranrückens der Bebauung mit Dachausbauten, die direkt an den Friedhof angrenzen, ist auf dem benachbarten Grundstück begangen worden“, argumentiert er und wüsste keinen rechtlichen Grund, die Genehmigung für den Ausbau zu versagen.

Die Ansicht teilt auch der Abteilungsleiter für Bauwesen beim Landkreis, Gerold Grobbe. Baurechtlich sei alles in Ordnung, sagt er. Nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches „musste zugestimmt werden“. „Wir prüfen, ob baurechtlich alle Abstände in Ordnung sind“, erklärt Grobbe. Die zweigeschossige Bauweise sei erlaubt, gegen den Quader obenauf habe es keine Bedenken gegeben. „Der Würfel zählt nicht, denn zweidrittel der Fläche ist unbebaut“, begründet Grobbe, die Definition „zweigeschossig“ basiere auf einem rein rechnerischen Wert. Eine Anfrage nach dem Denkmalschutz hat ergeben, dass der im Baugenehmigungsverfahren nicht beteiligt war. Er hätte auch nicht gewusst, wie man da hätte verfahren sollen, sagt Hubert Titz. Auf GN-Anfrage bestätigt der Bauherr, dass die reguläre Baugenehmigung vorliegt.

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