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Bayern-Aus: XXL-Drama statt Heldenepos

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Bayern-Torwart Manuel Neuer hat sich schwer am linken Fuß verletzt. Foto: Andreas Gebert

Extrem qualvoll setzt sich der Spanien-Fluch des FC Bayern in der Champions League fort. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen den fünffachen Ronaldo fühlen sich Münchens Fußball-Helden betrogen. Jetzt müssen sie mit aller Macht noch mehr K.o.-Frust vermeiden.

dpa Madrid. Dieses epische Champions-League-Drama quält den FC Bayern wie eine Endspielpleite.

Der wütende Karl-Heinz Rummenigge wetterte nach einem Fußball-Abend der Extreme gegen den schwachen Schiedsrichter, Manuel Neuer bezahlte einen leidenschaftlichen Münchner Kampf mit einem gebrochenen Fuß, und Philipp Lahm musste als Anführer einer goldenen Bayern-Generation das perfekte Karriereende abschreiben.

Der Viertelfinal-Schock gegen Real Madrid und den unglaublichen Cristiano Ronaldo peinigte die Münchner sogar noch mehr als das Alptraum-Triple gegen Spaniens Spitzenteams in drei Halbfinals zuvor. Von der 2:4-Niederlage nach Verlängerung gezeichnet standen die fröstelnden Stars am Vormittag auf dem Rollfeld des Münchner Flughafens, als sie bei ein paar Schneeflocken auf den Bus warteten. Torhüter Neuer humpelte auf Krücken aus der Sondermaschine.

„Wir waren alle Zeugen eines Spiels, das Geschichte geschrieben hat“, erklärte Rummenigge in seiner nächtlichen Ansprache voller Pathos und zitierte: „Das Heldentum sieht man nicht im Sieg von großen Schlachten, sondern im Ertragen von unglücklichen Niederlagen.“

Der Vorstandschef reihte das früheste Königsklassen-Aus der Bayern seit 2011 kurzerhand neben den brutalen Final-Pleiten 1999 und 2012 ein. Vor 18 Jahren entriss Manchester United dem Rekordmeister den fast sicheren Sieg binnen weniger Sekunden; beim „Finale dahoam“ triumphierte der FC Chelsea im Elfmeterkrimi. In der Kabine erlebte Rummenigge auch eine Mannschaft „in Trümmern“.

„Ich bin stolz auf meine Spieler, die sich geopfert haben, die alles gegeben haben“, erklärte Trainer Carlo Ancelotti nach einem unvergesslichen Spektakel. Nach drei Halbfinal-Pleiten unter Pep Guardiola scheiterte der Italiener im ersten seiner drei anvisierten Bayern-Jahre eine Runde früher als sein Vorgänger.

Mit viel Courage und vollem Risiko hatte sich sein Star-Ensemble die Verlängerung verdient - doch dort traf der insgesamt fünffache Viertelfinal-Torschütze Ronaldo die Bayern mitten ins Herz. Zweimal stand der Weltfußballer dabei allerdings im Abseits, was vom ungarischen Schiedsrichter Viktor Kassai ebenso nicht geahndet wurde wie die Münchner Abseitsstellung vor deren 2:1 durch ein Eigentor.

„Wir sind beschissen worden“, kritisierte Rummenigge ungewohnt harsch in der nächtlichen Bankettrede und verspürte „wahnsinnige Wut“. Die ganze Machtlosigkeit entlud sich auf vielfältige Art und Weise. Laut spanischen Medien soll es zu einem lautstarken Disput von Thiago, Robert Lewandowski und Arturo Vidal mit Kassai gekommen sein. „Dieser Raub darf in der Champions League nicht durchgehen“, schimpfte Vidal auch später noch außer sich. Der FC Bayern widersprach Berichten, wonach die Polizei habe eingreifen müssen und der Schiedsrichter beleidigt worden sei. Auch in die Kabine sei kein Spieler gestürmt.

Die Opferbereitschaft der angeschlagen zurückgekehrten Mats Hummels, Jérôme Boateng, Robert Lewandowski und des mit einem Knochenbruch weiterkämpfenden Neuers hatte nicht für ein weiteres Heldenepos in der glorreichen Münchner Europapokalgeschichte gereicht. Wie beim 1:2 im Hinspiel, als Javi Martínez vom Platz flog, mussten die Bayern nach Gelb-Rot für Vidal zu lange in Unterzahl fighten. Und so zerplatzte der Traum vom dritten Triumph nach 2001 und 2013.

„Wir müssen jetzt in die Zukunft schauen, auf die Bundesliga und den DFB-Pokal“, forderte Ancelotti das schmerzlindernde Double. Die fast schon sichere Meisterschaft ist ein Muss, ein Halbfinal-Aus im DFB-Pokal daheim gegen Dortmund würde die großen Bayern-Qualen vervielfachen. Als einziger Coach triumphierte der 57-jährige Ancelotti dreimal in der Königsklasse, Titel Nummer vier soll mit Bayern her. „Schauen wir, was wir im nächsten Jahr in der Champions League machen“, sagte Ancelotti. Er hatte es gegen Madrid versäumt, Vidal vor dem sich abzeichnenden Platzverweis auszutauschen.

Ausgiebig über die Zukunftsaussichten einer großen Mannschaft mochte im Königsklassen-Frustmoment niemand sprechen. Das sei „Käse“, meinte Thomas Müller. „Natürlich gehen jetzt zwei große Spieler, aber der FC Bayern ist ein starker Verein und wird auch die nächsten Jahre stark sein“, versicherte der Mia-san-Mia-Botschafter nach „Männerfußball“ gegen Real. Lahm, der Kapitän der Wembley-Helden von 2013, hört ebenso auf wie der langjährige Fußball-Stratege Xabi Alonso. „Die beiden haben den Weltfußball definitiv geprägt, vor allem die Champions League“, rühmte Hummels. Der eingeleitete Umbruch könnte beim FCB nach dem verflixten Spanien-Viererpack beschleunigt werden.

Neuer verletzte sich drei Wochen nach einer Operation erneut am linken Fuß. Welche Folgen die Kraftprobe im Bernabeu-Stadion für Hummels (Sprunggelenksverletzung) und Boateng (Adduktorenprobleme) hat, bleibt abzuwarten. „Wir sind alle über die Schmerzgrenze gegangen“, verriet Boateng. Nur eine Woche bleibt bis zum Pokalknaller gegen den großen Bundesliga-Rivalen. „Wir sind große Spieler, und wir werden das verarbeiten“, versprach Arjen Robben.

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Die Meinung unserer Leser

7 Leserkommentare

1. | Ein Wietmarscher | Mittwoch, 19.04.2017 | 10:11 Uhr

Wer klärt mich auf. Wie ist es möglich wie bei einem Elfmetertor und einem Eigentor ein Abseitstor für die Bayern gefallen ist ?

2. | So ist es | Mittwoch, 19.04.2017 | 11:19 Uhr

Fakt ist.......Real 4 - Bayern 2......Aus mit dem Halbfinaltraum

3. | Mo Mentmal | Mittwoch, 19.04.2017 | 15:07 Uhr

Gaaanz schlechte Verlierer die Münchener!

4. | Speedking | Mittwoch, 19.04.2017 | 18:57 Uhr

Mal kein Bayerndusel... Aber für das schlechte Hinspiel durfte es keine Belohnung geben.

5. | achso achso | Mittwoch, 19.04.2017 | 20:26 Uhr

Ist schon beachtlich, wie schnell die FCB-Basher hier um die Ecke kommen. In der BuLi nichts zu melden aber jetzt ein persönliches Osterfeuer abbrennen.


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