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19.03.2017ratingratingratingratingrating

Bedenken: Angeln aus Ferienpass gestrichen

 Angeln aus Ferienpass gestrichen

Angeln ist für die einen ein Hobby an der freien Natur, für andere ist es Tierquälerei. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

In diesem Sommer wird es beim Ferienpass in Osnabrück keine Angel-Veranstaltungen geben. Die Jugendpflege weicht offenbar dem Druck der Tierrechtsorganisation Peta.

Osnabrück. Nach den Kursen im vergangenen Jahr hatte die Tierrechtsorganisation Peta Anzeige gegen die Veranstalter wegen Tierquälerei erstattet. Das war keine Besonderheit: Peta geht bundesweit gegen Angelaktionen juristisch vor, die nach Meinung der Tierschützer den Eindruck erwecken, reine Spaßveranstaltungen zu sein. Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft wies die Klage im Januar ab.

Trotzdem scheint der Vorgang ein Umdenken in der Stadtverwaltung ausgelöst zu haben. „Ins städtisch organisierte Ferienprogramm sollten nur pädagogisch sinnvolle Angebote aufgenommen werden“, erklärt Stadtjugendpfleger Hans-Georg Weisleder, der für den Ferienpass verantwortlich ist. Wegen überfüllter Kurse und ethisch-moralischer Aspekte habe es aber Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Angel-Aktionen gegeben: „Insbesondere, weil beim Angeln das Freizeitvergnügen und nicht die Nahrungsgewinnung im Vordergrund steht“, so Weisleider. Das war auch ein Kritikpunkt von Peta, deren Fachreferentin für Fische und Meerestiere, Tanja Breining, die Entscheidung der Organisatoren begrüßt.

Kursleiter sieht Angeln als Lernprozess

Dirk Sazalowski, der einen der damaligen Angelkurse leitete, kann den Vorwurf nicht nachvollziehen. Die Fische seien gegrillt und gegessen worden. Für ihn ist Breining „wie eine Chefanklägerin“. Er verweist auf das große Interesse an den Kursen: Bei den insgesamt vier Veranstaltungen waren teilweise bis zu 30 Schüler zwischen acht und zwölf Jahren anwesend. Die Ansicht der Tierrechtsorganisation, dass Angeln zur Gewalt erziehe, teilt er nicht: „Die Kinder durften die Fische weder vom Haken lösen noch töten, nur fangen und ausnehmen.“ Ob die Jugendlichen dies selbst machen oder zusehen, hält die Peta-Expertin für irrelevant.

Sazalowski sieht im Angeln sogar einen Lernprozess: Es vermittle, dass man – außer zum Verzehr – keine Tiere töten dürfe. Damit wirke man der Entfremdung der Jugendlichen von Lebensmitteln und deren Herstellungsprozess entgegen. Dieser Erkenntnisgewinn hat für Breining jedoch einen Beigeschmack: „Oft vermitteln Angler, dass Fische und Würmer keinen Schmerz empfinden.“ Peta vertrete die Ansicht, dass kein Tier ein Nahrungsmittel sei.

Im Zweifel für den Tierschutz

Dass viele Fische vom Haken verletzt ins Wasser zurückgeworfen seien, relativiert Sazalowski: „Wenn die Wunde nicht wieder heilt, muss das Tier getötet werden.“ Ausnahmen bilden dem Angler zufolge Fische, die die jeweilige gesetzliche Mindestlänge unterschreiten. Diese Regelung beanstandet die Peta-Expertin nicht, aber: „Generell kritisieren wir das ‚Catch and Release‘ – Spaßangeln, bei dem die Fische gefangen und zurückgeworfen werden.“ Makaber findet sie außerdem, dass bei den letztjährigen Veranstaltungen einige Kinder mit gefangenen Fischen posierten. Diese Tiere waren laut Kursleiter bereits tot.

Zwar verteufeln die Ferienpass-Organisatoren das Angeln nicht generell. „Fische angeln ist aber nicht wie Steine sammeln“, meint Weisleder, „im Zweifel bin ich für den Tierschutz.“ Breining sieht Alternativen: Bei Gruppenaktivitäten in der Natur müsse niemand zu Schaden kommen. Die Jugendlichen könnten beispielsweise Wildtiere beobachten, wandern oder Kanu fahren.

Ethik vor Pädagogik

Weil die Ferienpass-Organisatoren auch pädagogische Bedenken geäußert hatten, machte ihnen Johannes Lohmöller, der Angeln an der Hauptschule Tecklenburg unterrichtet, ein Angebot. Er würde die Kursleiter gratis schulen. Laut Hermann Schwab vom Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Osnabrück erübrigt sich das jedoch: „Für uns sind die ethischen Gründe vorrangig, die pädagogischen lediglich nachgeordnet.“ In den Vereinen könne gerne weiterhin geangelt werden, nur eben nicht im Rahmen des Ferienpasses.

Sazalowski fordert hingegen: „Die Kinder sollten frei entscheiden, ob sie Angel-Kurse besuchen oder nicht.“ Ihm scheint es, als ob Verwaltungen in Bezug aufs Angeln vor allem „Angst vor negativer Publicity“ hätten.

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