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Carolin Kebekus meckert in der Emslandarena

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Das Alpha-Weibchen der deutschen Comedy-Szene, Carolin Kebekus, unterhielt in der Lingener Emslandarena allein ein begeistertes Publikum. Foto: Karsten Rump

„Mein Bindegewebe hat mich wieder hängen lassen“, sagte Carolin Kebekus am Mittwoch in der Emslandarena in Lingen. Sie begeisterte das Publikum rund zwei Stunden lang.

Lingen. Der Auftritt von Carolin Kebekus im Rahmen ihrer aktuellen „Alpha-Pussy“-Tour bescherte der Lingener Emslandarena am vergangenen Mittwoch ein ausverkauftes Haus. Die Kölner Komikerin gilt als das „Alpha-Weibchen“ der deutschen Comedy-Szene. Ein Ruf, dem sie mit einem über zweistündigen, fulminanten Auftritt denn auch gerecht wurde.

Erstes Gelächter im Publikum, als sie bekannte: „Lingen? Ich wusste nicht, dass es Euch gibt!“. Auf der Hinreise habe sie sich gefragt: „Wie viel wohnen da? Zwei oder drei?“. Aber hier kenne man wenigstens den Ausdruck „Weg-Bier“ oder auch „Fuß-Pils“, dessen Genuss in der ansonsten schönen Stadt München gänzlich unbekannt sei.

Unter lautem „Helau“ des Publikums berichtete sie vom Kölner Karneval, dessen Umzug man im vergangenen Jahr zunächst wegen Terrordrohungen, letztlich aber wegen einer Sturmwarnung abgesagt habe. Das kratze mit Sicherheit am Selbstbewusstsein potenzieller IS-Terroristen, denen man nur zurufen könne „Schmeißt eure nicht mehr zeitgemäßen Bomben und Sprengstoffgürtel weg/kauft euch eine Windmaschine“.

Wie ihr überhaupt der Ernst der Lage meist unverständlich sei. So zitierte sie Innenminister de Maiziere mit der kryptischen Aussage: „Ob es eine Bedrohung gibt, kann ich nicht sagen. Teile meiner Antwort könnten sie verunsichern.“ Ein Satz, den Kebekus als Antwort auf die Fragen „Haben Sie etwas getrunken“ des Polizisten bei einer Alkoholkontrolle oder „Wie war ich im Bett?“ des Liebhabers nach dem Sex empfiehlt.

Trunkenheitsrausch

Womit sie dann bei all den Themen landet, die weite Teile ihres Programms bestimmen: Die Lust auf den Trunkenheitsrausch, dem sie als 36-jährige Frau nicht mehr so unbefangen huldigen könne wie früher, als man noch bis 7 gesoffen und um 8 in die Schule gegangen sei. Eine Lust, die heute im „Mein Bindegewebe hat mich hängenlassen“ verloren sei.

Sie erinnert an die Freuden ausgelassenen Partygeschehens in sturmfreien Buden, an Ei-Explosionen in der Mikrowelle und das verruchte Gangstergefühl, wenn denn einmal mehr die Polizei auftauchte. Da habe man mitunter die Eltern noch ärgern können.

Heute sei das alles anders. Die Mutter ein Späthippie, die sich angesagte T-Shirts von der Tochter leiht, der Vater ein cooler Hipster, der morgens mit dem Longboard zu Arbeit fährt. Das beklagenswerte Ergebnis: Es geht mit Mutter in die Disko und der örtliche Dealer kommt mit dem Satz daher: „Dein Vater hat noch einen Fuffi offen.“

Immer wieder Gelächter und aufbrandender Applaus, wenn Kebekus in furiosem Tempo zeitgenössische Trends aufspießt. In ihr Visier geraten die ungenießbaren Smoothies missionarischer Veganer, gegenüber denen sie das Grundrecht auf ein herzhaftes Leberwurstbrot postuliert. Die jungen Mädchen, die sich millionenfach für Einkaufstüten auspackender YouTuberinnen begeistern.

Die Frauen, die ihren Körper als immerwährende Riesenbaustelle empfinden. Die vom S/M-Sex der „Fifty Shades Of Grey“-Filme angeturnten Liebespaare, die vorm Sex für alle Aufbauten und Zutaten zunächst den Baumarkt aufsuchen müssten. Die Männer mit Bart, bei denen man nie wisse, ist er Hipster oder Salafist?

Zum Schluss ein Aufruf

Nach zwei Stunden endet Carolin Kebekus mit einem besonders an die Frauen im Publikum gerichteten Aufruf: „Mädels, lasst Euch nichts vorschreiben. Nicht, was ihr essen und anziehen sollt, wie ihr ausseht und wie ihr euch gebt. Macht Karriere, habt Spaß am Essen und am Sex, habt Spaß am Leben, seid lieber Alpha-Pussy als eine Skinny Bitch.“ Was folgte, war der lang anhaltende Schlussapplaus eines begeisterten Publikums.

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