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Ein Gemälde kehrt nach Hause zurück

de kehrt nach Hause zurück
Ein kleines Museum ist das Haus von Karel Dokter in Gildehaus. Hier hält er das neu erworbene Bild „Gildehauser Ring“ in den Händen, das von Antony Kaizer während seiner Gildehauser Zeit gemalt worden ist. Foto: Schönrock

Im Internet wurde Karel Dokter auf ein Gemälde des Künstlers Antony Kaizer in Australien aufmerksam. Es zeigt ein Gildehauser Motiv.

Gildehaus. Das Haus von Karel Dokter ist ein kleines Museum: eine Porzellan-Sammlung, Glas, unzählige Gemälde an den Wänden und Figuren, die er aus verschiedenen Ländern mitgebracht hat. Karel Dokter hat viel gesehen von der Welt, der Niederländer war für den Mineralölkonzern Shell als Ingenieur unter anderem in Afrika und Indonesien tätig. Besonders interessiert sich der 81-Jährige für Gemälde des niederländischen Künstlers Antony Kaizer (1897 - 1961), der wie Dokter aus der Provinz Drente stammt.

Drei Kaizer-Bilder, die Motive aus Drente zeigen, hängen bereits in Dokters Wohnzimmer. Ein viertes Gemälde hat er gerade erworben. Es heißt „Gildehauser Ring“ und zeigt eine Landschaft in Gildehaus. „Im Hintergrund der Landschaft ist der Kirchturm von Overdinkel zu sehen“, sagt Dokter im Gespräch mit den GN. In Gildehaus hat Antony Kaizer zwischen 1943 und 1947 gelebt und gemalt. Gewohnt hat er damals im ehemaligen Lehrerhaus am Neuen Weg, wo heute das Gebäude der Volksbank steht. Das Bild hat eine weite Reise hinter sich, denn Karel Dokter hat es per Internet in Australien gekauft. „Ich bin zufällig darauf gestoßen“, erzählt Dokter. Umgerechnet 250 Euro hat er für das Gemälde bezahlt.

Maler wegen NS-Nähe umstritten

Wie das Bild von Gildehaus ans andere Ende der Welt gelangt ist, darüber kann der Kunstliebhaber nur spekulieren. „Ich vermute, dass die früheren Besitzer vielleicht nach dem Krieg ausgewandert sind und das Bild dort irgendwann in den Verkauf gelangt ist“, sagt Dokter. Auf der Rückseite ist der Name des Künstlers falsch geschrieben, handschriftlich ist dort „Kerzer“ notiert. Auch der Titel „Geldehauser Reng“ ist nicht ganz korrekt. „Es müssten hier in der Umgebung eigentlich viel mehr Bilder von Kaizer aus seiner Gildehauser Zeit im Umlauf sein“, vermutet der 81-Jährige. Und damit liegt er richtig, wie Wilhelm Hoon zu berichten weiß. Er hat sich intensiv mit dem Wirken des Künstlers beschäftigt, unter anderem im Bentheimer Jahrbuch von 1997 einen Beitrag über das Leben Antony Kaizers verfasst. „Ich weiß, dass es in der Grafschaft noch einige seiner Bilder gibt“, sagt Hoon.

Gerne würde Karel Dokter eine Ausstellung mit den Werken Kaizers organisieren. „Doch das Thema Antony Kaizer ist hier in Gildehaus nicht ganz unproblematisch“, sagt er. Denn der Maler kam auf Einladung Dr. Josef Ständers nach Gildehaus, dem damaligen Kreisleiter der NSDAP, der die Kunst des Niederländers sehr schätzte und 1943 sogar eine Ausstellung im Kurhaus organisierte. Das geht aus dem Beitrag Wilhelm Hoons im Jahrbuch hervor. Politisch aktiv ist Kaizer demnach nie gewesen, ihm ging es immer nur um die Kunst. Dennoch: In Gildehaus begegnete man ihm mit Misstrauen, viele hatten Angst, in seiner Gegenwart ein falsches Wort zu verlieren, war er doch ein Günstling des NSDAP-Kreisleiters. 1947 entschlossen sich Kaizer und seine Frau, in die Heimat nach Meppel zurückzukehren. Doch auch hier schlug ihm Ablehnung entgegen. Man warf ihm vor, ein Werkzeug der Nazis gewesen zu sein. 1954 erkranke er schwer, trank mehr und mehr Alkohol. Am 5. Juni 1961 starb er schließlich.

Die Idee einer Ausstellung möchte Karel Dokter trotzdem weiterverfolgen. „Ich finde es wichtig, das aufzuarbeiten. Die junge Generation muss auch diesen Teil der Gildehauser Geschichte kennen.“

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Die Meinung unserer Leser

1 Leserkommentar

1. | Ulrichkörner | Freitag, 19.05.2017 | 20:16 Uhr

Ich habe länger über dieses Bild nachgedacht, etwas geforscht und bin mir nun sicher, dass es kein Gemälde von Antony Keizer ist, das eine Landschaft bei Gildehaus zeigt. Das Landschaftsbild passt schon nicht so recht nach Gildehaus. Hinzu kommt, dass die Auktionsbeschreibung zu dem Bild angibt, das Bild sei 1938 nach Australien gekommen. Zu dieser Zeit war Keizer noch gar nicht in Gildehaus ansässig. Er zog erst im Mai 1942 dort hin. Das Bild ist auf der Rückseite zwar wie folgt bezeichnet "Heide rings um Geldehaus Grafschaft Bentheim Antony Kerzer München" , allerdings nicht von der Hand Keizers, sondern offensichtlich ist die Schrift viel später angebracht. Hier der Auszug aus dem Auktionsangebot: Unframed and undated but came to Australia in 1938 with the previous owners family. Likely 1932-1938. Titled to the reverse "Heather Rings of Geldehaus, Grafschaft, Beuthiem" This painting was brought to Australia by the previous owners before the breakout of WW2 who had owned a pictur


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