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EU-Abgeordnete erfolgreich mit Internet-Videos

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Tiemo Wölken erklärt seinen Youtube-Abonnenten, wie das EU-Parlament funktioniert. Screenshot: Youtube/NOZ

Kann man mit Politik-News Klickhits landen? Ja, durchaus. Zumindest ist der EU-Abgeordnete Tiemo Wölken aus Osnabrück mit seinen Videos auf Youtube ziemlich erfolgreich.

Osnabrück. Mehr als 30.000 Abonnenten verfolgen regelmäßig auf Youtube, was der EU-Abgeordnete Tiemo Wölken (SPD) in seinem Job erlebt. Im November 2016 war Wölken für den SPD-Politiker Matthias Groote als Abgeordneter nachgerückt, weil Groote Landrat in Leer geworden war. Seit dem Start im Parlament ist Tiemo Wölken mit der Kamera unterwegs. Im Netz erfolgreich mit EU-Politik? Wie funktioniert das?

Herr Wölken, wie reagieren andere Abgeordnete, wenn Sie durchs Europäische Parlament laufen – die Kamera am ausgestreckten Arm schräg über dem Kopf?

Wie sie auf die Kamera reagieren, weiß ich gar nicht genau. Ich filme ja hauptsächlich mich selbst und nehme drumherum nicht so viel wahr. Ganz lustig ist, dass in einem Video eine Kollegin hinter mir hergelaufen ist und auf mich gezeigt hat. Das habe ich weder gehört, noch beim Schneiden gesehen, sondern irgendwann hat mich jemand darauf angesprochen. Beim Filmen hat aber noch niemand gesagt: „Mach mal aus.“ Das würde ich dann auch machen.

Haben Sie sich vorher mit den rechtlichen Vorgaben fürs Filmen auseinandergesetzt?

Nö. Ich bin zunächst in kaltes Wasser gesprungen und habe nicht allzu sehr darüber nachgedacht, wo ich zum Beispiel im Parlament filmen darf.

Und das als Jurist!

Ja (lacht). Nachher habe ich herausgefunden: Es gibt zwar eine Erlaubnis, die man beantragen kann. Aber nur für Medien. Und nicht für Abgeordnete mit einem freien Mandat. Wie ich meine Arbeit darstelle, ist mir in diesem Rahmen selbst überlassen. Es gibt aber schon Regeln und geschützte Bereiche, in die ich nicht rein darf – Bars zum Beispiel, weil da vertraulichere Gespräche stattfinden. Daran halte ich mich.

Seit zwei Monaten ist Ihr Youtube-Kanal online. Heute hat er über 30.000 Abonnenten. Eine hohe Zahl, zumal es um Politik geht. Woher kommen die Leute?

Ich habe zu Beginn mit Peter Smits zusammengearbeitet. Er macht Let’s Plays und wohnt jetzt auch in Osnabrück – wir kennen uns seit vier oder fünf Jahren. Wir saßen zusammen und haben überlegt, ob wir zusammen was Richtung V-Log machen können. Er hat mich dann in einem seiner Videos empfohlen. Das wurde vielleicht 250.000 Mal angeschaut, mein erstes Video noch etwa 78.000 Mal und davon sind dann 20.000 bis 25.000 Abonnenten hängen geblieben. Und dann ist noch etwas passiert: Es gibt einen Youtuber namens Mr.Trashpack. Dem haben Leute auf Twitter meinen Kanal empfohlen. Mr.Trashpack vergibt immer den Win der Woche für den besten Youtube-Channel – den habe ich bekommen. Das hat auch noch mal so 6500 Abonnenten gebracht. Das finde ich ziemlich cool. Die Hauptzielgruppe meines Kanals ist übrigens zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Am Anfang hat Peter Smits geholfen, mittlerweile produzieren Sie die Videos alleine?

Ja. Die ersten Videos hat Peter geschnitten. Das wäre zeitlich auch nicht anders gegangen. Aber abgesehen davon schneide ich selber – entweder auf der Rückfahrt im Zug oder abends. Wenn man das so amateurhaft macht wie ich, kann es schon mal zehn Stunden dauern, bis so ein Video fertig ist. Ich hoffe, dass mir da zukünftig auch meine Mitarbeiter helfen.

Auf Youtube sind Sie im Hoodie zu sehen, im Parlament mit Anzug und Krawatte. Gibt es einen Widerspruch zwischen dem seriösen Politiker und dem coole Youtuber?

Das ist schwierig. Ich glaube schon, dass der ein oder andere bei meinen Videos denken könnte: Der ist mir etwas zu flapsig als Politiker. Aber so bin ich halt. Eine der Fragen in den Kommentaren war: Warum ziehst du immer einen Anzug im Parlament an? Gibt’s da einen Dresscode? Nein, den gibt’s nicht. Der ein oder andere Kollege läuft da auch im Hoodie herum. Aber ich fühle mich im Anzug wohler. Der Bäcker stellt sich ja auch nicht in Straßenkleidung in die Backstube.

In der amerikanischen Serie House of Cards stellt ein republikanischer Politiker Videos aus seinem Privatleben ins Netz und gibt sich gläsern – Ihr Anspruch?

Die V-Logs sollen einen Eindruck von meinem Leben als Abgeordneter vermitteln, wobei ich Privates ausklammere. Aber es soll persönlich und authentisch sein. Persönlich sind meine Ansichten und wenn ich mein Büro zeige und da strahle wie ein Honigkuchenpferd, weil ich weiß: Da kannst du jetzt arbeiten und mit Leuten ins Gespräch kommen. Privat sind meine Freundin, meine Familie, Fotos. Ich habe mal ein Video gemacht, in dem ein privates Foto im Hintergrund zu sehen war. Das habe ich einfach übersehen und anschließend gepixelt.

Bislang sind die Videos werbefrei. Wird sich das ändern?

Es hat Vorteile, das Ganze zu monetarisieren – man kann zum Beispiel mehr selbst bestimmen und Videos vorplanen. Ursprünglich hatte ich mal überlegt, Werbung schalten zu lassen und das Geld zu spenden. Dafür müsste ich allerdings erst eine Gesellschaft gründen, ich müsste die Gewinne versteuern, das Ganze bei meinen finanziellen Interessen beim Parlament angeben – da sieht es dann so aus, als würde ich nebenbei noch gutes Geld bei Youtube verdienen – und am Ende bleibt nur ein kleiner Betrag übrig. Deswegen habe ich mich dagegen entschieden, das Ganze zu monetarisieren.

Obwohl es um Politik geht, bekommen Sie sehr viel Lob in den Kommentaren unter den Videos. Was bedeutet Ihnen das?

Das ist schon krass. Das Wort benutze ich nicht so oft, aber an der Stelle passt es. Am Anfang war ich sehr skeptisch. Ich bin ja SPD-Politiker. Das schreibe ich mir nicht auf die Stirn, aber es kommt schon durch. Und obwohl es um Politik geht, habe ich noch nicht richtig Haue bekommen in den Kommentaren. Das wundert mich ein wenig, aber es liegt wohl auch daran, dass ich das Ganze sehr offen mache. Wenn ich zum Beispiel über die Jugendorganisationen der Parteien rede, sage ich auch: Es gibt welche von den Grünen, es gibt welche von der FDP… Ich versuche, wertneutral zu berichten. Aber ich habe auch gemerkt, dass die Kommentatoren fordern, dass ich auch inhaltlich etwas sage. Deswegen habe ich gerade in einem Video erklärt: Als Politiker habe ich eine Meinung. Mein Job ist es, eine Meinung zu haben und mitzuwirken.

Auch der EU-Parlamentarier Jens Gieseke (EVP/CDU) aus Sögel berichtet über politische Themen auf seiner Facebookseite. So spricht er unter anderem über (politische) Verantwortung, Populisten oder den Abgas-Ausschuss.

V-Log und Let’s Play

Auf Youtube sind Let’s Play und V-Logs bei Millionen Nutzern beliebt. Let’s Play bedeutet übersetzt so viel wie „Lasst uns spielen“. Dabei werden Computerspiele in Videos aufgezeichnet und von einem oder mehreren Spielern parallel kommentiert. Häufig ist für die Zuschauer die Moderation unterhaltsamer als das eigentliche Spiel. Einige Moderatoren verdienen viel Geld mit diesen Videos und sind bei Jugendlichen zum Teil bekannter als so mancher berühmte Schauspieler. In Deutschland hat „Gronkh“ die meisten Abonnenten (4,3 Millionen, 2 Milliarden Video-Aufrufe), auf Platz fünf liegt der Osnabrücker PietSmiet (2,1 Millionen Abos).

Einige Let’s-Play-Spieler haben damit begonnen, nicht nur Spielevideos zu veröffentlichen, sondern auch V-Logs. Dieser Kunstbegriff wird zusammengesetzt aus den Worten „Video“ und „Blog“. Es geht also um eine Reihe von Videos, die ein bestimmtes Thema oder das Leben eines Menschen dokumentieren. Im Gegensatz zu einer Fernsehdoku sind die Bilder häufig nur wenige Minuten lang, werden sehr schnell geschnitten, mit temporeicher Musik hinterlegt und mit Smartphones, Digitalkameras oder Drohnen gefilmt.

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