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Frieder Finsterbusch bläst das Middewinterhorn

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Frieder Finsterbusch aus Neuenhaus bläst das Middewinterhorn. Dies ist ein alter Brauch in der Grafschaft Bentheim. Foto: Hamel

Nur wenige Kinder beherrschen das Middewinterhorn. Der elfjährige Frieder Finsterbusch aus Neuenhaus kann das traditionelle Grafschafter Instrument spielen. Das weckt Interesse bei anderen Kindern.

Neuenhaus. Immer in der kalten Jahreszeit sind in der Grafschaft Bentheim die besonderen Klänge der Middewinterhörner zu hören. Vom ersten Advent bis zum Dreikönigstag am 6. Januar werden die außergewöhnlichen Hörner zu unterschiedlichen Anlässen gespielt. In vielen Orten der Grafschaft haben sich dafür Bläsergruppen gebildet. Die 20 Spieler aus Neuenhaus haben in diesem Winter ein junges Mitglied dazugewonnen: Frieder Finsterbusch ist mit viel Freude dabei.

„Mein Vater hat in der Zeitung gelesen, dass die Gruppe Verstärkung sucht“, erzählt der Elfjährige. So besuchten die Beiden im November bald die ersten Übungstreffen. Für Frieder war es nichts völlig Neues: Schon seit fünf Jahren spielt er das Kornett – das ist eine kleine Trompete – und hat somit schon reichlich Erfahrung mit einem Blasinstrument.

Ton wird mit den Lippen geformt

Dennoch gibt es einen großen Unterschied zum Middewinterhorn. Damit spielt der Sechstklässler nämlich keine vollständigen Musikstücke, sondern einzelne Töne oder kurze Melodien. Früher sollten so die bösen Geister vertrieben oder andere Menschen vor Gefahren gewarnt werden. Das Middewinterhorn hat auch keine Tasten wie die Trompete. Wie der Ton klingt, steuert Frieder nur mit seinem Mund: „Je mehr ich die Lippen zusammenkneife, desto höher wird der Ton“, erklärt er.

Heute dient das Instrument nicht mehr als Signalhorn. Es soll vielmehr auf das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel einstimmen. So stand für Frieder auch bald der erste Auftritt an: Am ersten Advent spielte er vom Dach der Sternwarte in Neuenhaus herab – und das sogar als Erster der Gruppe. „Fang du mal an“, sagten die erfahrenen Bläser, die ihn zuvor herzlich aufgenommen hatten. Das Middewinterhorn wird nämlich stets einzeln geblasen, die Spieler sind also alle nacheinander an der Reihe – und nicht gleichzeitig.

Auftritte in besonderer Kleidung

Schon einen Tag später war Frieder beim Weihnachtsmarkt am Mühlenkolk im Einsatz. Dort sprachen ihn sogar einige Leute an. Sie hatten im Radio davon gehört, dass es in Neuenhaus einen elfjährigen Middewinterhorn-Bläser gibt. „Bist du das?“, fragte sie ihn. Insgesamt sechs Auftritte meisterten Frieder und sein Vater Jens in dieser Saison, so auch beim Neujahrsblasen an der Ostmühle in Gildehaus. Gelegentlich musste der Schüler dafür sogar einigen Freunden absagen. „Denen habe ich dann erklärt, was es mit dem Middewinterhorn auf sich hat“, sagt er.

Bei seinen Auftritten trägt Frieder wie die anderen Spieler eine ganz besondere Kleidung. Es ist eine alte Tracht, wie die Männer sie schon in alten Zeiten trugen. Sie besteht aus einem blauen Hemd, einem roten Halstuch und – speziell in Neuenhaus – aus einer schwarzen Jacke. Hinzu kommt eine Mütze, an die ein kleines Middewinterhorn genäht ist. Ein Paar echte Holzschuhe macht die Ausstattung komplett.

Kleine Schwester hat auch Interesse

Nun müssen die Tracht und das Instrument jedoch eine Verschnaufpause einlegen: Seit dem vergangenen Freitag ist die Zeit, in der die Middewinterhörner erklingen, erst einmal vorbei. Im kommenden November beginnt die Spielzeit von Neuem – und auch Frieder möchte wieder mitmachen. „Schön wäre es, wenn noch mehr Kinder dabei wären“, sagt er.

Vielleicht gibt es ja tatsächlich wieder jungen Zuwachs. Seine kleine Schwester Josefine hat jedenfalls schon Interesse angemeldet – und bereits ein paar Mal mit dem Middewinterhorn geübt.

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