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Grafschafter Jugend über Shisha-Rauchen

ter Jugend über Shisha-Rauchen
Eine junge Frau raucht in einer Shisha-Bar in Berlin Tabak der Sorte „Traube-Minze“ in einer Shisha-Pfeife. In Deutschland floriert das Geschäft mit Tabak für Wasserpfeifen. Foto: Soeren Stache/dpa

Shisha-Rauchen gehört für viele Jugendliche aus der Grafschaft dazu. Dabei ist das „Paffen“ laut verschiedenen Fachleuten ziemlich ungesund. Warum greifen Grafschafter dennoch zur Shisha-Pfeife?

Diesen Text hat Julia Mengel (17 Jahre) für das Jugendressort „GN Szene“ geschrieben.

Nordhorn. Schokolade, Cola, Marguerita, Kaffee, Mango – die Auswahl an Geschmackssorten des Shisha-Tabaks scheint schier unbegrenzt zu sein. Was einst wie ein kurzlebiger Trend schien, ist für viele mittlerweile zu einer Routine geworden. Laut dem Fachmagazin „Public Health Reports“ von Januar 2016 (Dr. Primack, Volume 131, Seite 83) inhalieren Raucher während einer Shisha-Sitzung unter anderem das 125-fache an Rauch, 25-mal mehr Teer, 2,3-mal mehr Nikotin und zehnmal mehr Kohlenmonoxid als beim Konsum einer einzelnen Zigarette. GN-Szene hat sich bei einigen Jugendlichen in der Grafschaft umgehört und Erstaunliches erfahren.

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Shisha-Umfrage

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Anna (Name geändert), 20 Jahre, Nordhorn

Bei meinem ersten Zug war ich 16. Ich war auf einer Silvesterparty und alle haben Shisha geraucht. Keiner hat mich gedrängt, das zu testen, oder mich irgendwie angestachelt. Ich war neugierig und ich fand, dass es sexy aussah, wie meine Freundinnen den Rauch auspusteten. Dann hab ich gefragt, ob ich probieren darf, und sie haben mich gelassen. Ich fand es einfach lecker. Außerdem wird es nie langweilig, da es eine riesige Auswahl an Sorten gibt, die man testen kann. Zudem ist es schön, denn es gibt mir ein Gefühl des Zusammenhalts. Man sitzt zusammen, teilt sich eine Shisha, erzählt sich alles. Am Anfang hab ich ein paarmal gehustet, und einmal hatte ich einen Tabak-Flash, dann wird man total leicht im Kopf und ist etwas unsicher auf den Beinen. Ein bisschen so, als wäre man betrunken. Ich rauche ungefähr einen Kopf (siehe Info weiter unten) alle eineinhalb bis zwei Wochen. Das ist von meinem Arbeitspensum abhängig. Ich habe aber auch schon mal sechs Monate gar nicht geraucht und hatte keine Entzugserscheinungen.

Oft rauche ich mit meiner festen Clique gemeinsam. Mal gehen wir in eine Shisha-Bar, mal sind wir bei Freunden zuhause oder bei mir. Manchmal setzen wir uns auch an den Vechtesee, im Sommer fühlt man sich dann so frei. Es gibt aber auch sehr viele Freunde, die das Shisha-Rauchen absolut ablehnen. Über die Risiken bin ich mir durchaus im Klaren: Lungenkarzinome, Durchblutungsstörungen, faulende Zähne, Gefäßverkalkung, Erblindung und so weiter. Mir ist auch klar, dass ein Zug an einer Shisha 15 Zigaretten entspricht. Trotzdem hindert es mich nicht daran.

Florian (Name geändert), 17 Jahre, Halle

Wie wohl die meisten, bin ich durch meine Freunde zum Shisha-Rauchen gekommen. Ich bin aber mehr ein Gelegenheitsraucher, aber auch das meist nur nach Aufforderung. Es trägt zur Geselligkeit bei. Ein Treffen ohne Alkohol, Shisha oder Ähnlichem ist kaum noch außerhalb von Vereinen und Institutionen möglich, also greife ich aus Massenzwang zum Schlauch. Bei den ersten Versuchen ist der Mund noch etwas trocken und die Schleimhäute wehren sich vermutlich, was sich durch Husten ausdrückt. Das wird dann durch ein meist alkoholisches Getränk neutralisiert und so kommt nach einiger Zeit doch eine ganz gute Stimmung auf. Die gesundheitlichen Fragen rücken spätestens dann in den Hintergrund, wenn man auch die noch so gesundheitsbewussteste Person beim Ziehen beobachten kann.

Tom, 19 Jahre, Schüttorf

Eine Zeit lang habe ich fast jede Woche geraucht, aber mit der Zeit nimmt das ab. Jetzt ist es nur noch einmal im Monat oder noch weniger. Nebenwirkungen hängen von der Tagesform ab. Manchmal kann man vier Stunden durchrauchen und merkt nichts und manchmal wird einem nach zehn Minuten schon schwindelig. Also eine Art Sucht entwickelt man nicht. Ich zumindest nicht. Man merkt eigentlich nur, dass die Kondition nachlässt, aber sonst nichts. Von meinen Freunden rauchen nicht sehr viele... vielleicht fünf bis sechs. Wenn ich rauche, dann entweder zuhause oder in der Shisha-Bar. Gefährlich wird es meiner Meinung nach nur, wenn man es übertreibt, wie eigentlich bei allem. Für Sportler ist es nicht das Beste, da die Lunge wohl stark geschädigt wird, noch mehr als beim normalen Rauchen.

Fabian, 18 Jahre, Nordhorn

Ich hatte eigentlich nie wirklich Lust, mit so etwas anzufangen. Eines Tages bin ich mit meinen Freunden in eine Bar gegangen und da wurde Shisha angeboten. Ab dem Zeitpunkt hab ich mich gefragt: „Wieso nicht probieren? Wenn du es nicht magst, kannst du es ja immer noch sein lassen.“ Gesagt, getan. Es hat mir einfach sehr gut geschmeckt und ein Gefühl der Entspannung kam auf. Außerdem ist es angenehm, sich mit Freunden zusammenzusetzen und ganz in Ruhe über einige private Themen zu quatschen. Heutzutage kommt man leider nur noch selten zu so etwas. Außerdem ist das Ausprobieren von neuen Tabaksorten oder Ähnlichem sehr reizvoll. Es macht Spaß, diese Erlebnisse mit Freunden zu teilen. Deshalb rauche ich ausnahmslos nur mit Freunden und zwar meistens in Bars und Lounges oder bei meinen Freunden zuhause. Ich empfinde es (für mich!) als sinnlos, alleine zu rauchen. So gut wie alle Freunde von mir rauchen.

Es ist natürlich nicht klug zu rauchen, wenn man Asthmatiker ist. Und natürlich fällt einem das Atmen hin und wieder schwer. Aber das ist eher selten der Fall. Viel häufiger passiert es, dass ich sehr starke Kopfschmerzen bekomme (was aber daran liegt, dass der Shisha-Kopf nicht gut gemacht wurde oder ich eine Shisha zu viel hatte). Allerdings denke ich, wenn man es in Maßen hält und nicht jeden Tag einen Kopf raucht, geht man kaum ein schlimmeres Risiko ein, als wenn man gezwungenermaßen mit seinen Freunden passiv mitrauchen muss.

Malte, 21 Jahre, Nordhorn

Ich rauche schon seit etwa zwei Jahren. Mit dem Shisha-Rauchen fing ich an, weil meine Freundin mich mal mitgenommen hat. In der Shisha-Bar war ich ziemlich überrascht, wie fruchtig-süß der Geschmack der Shisha ist, die ich dort zum ersten Mal probiert habe. Seitdem rauche ich mal mehr mal weniger, je nachdem wie ich Lust habe, täglich bis einmal die Woche. Entgegen vieler anfänglicher Befürchtungen, körperlich komplett einzugehen, spüre ich normalerweise keine Nebenwirkungen. Dennoch passiert es ab und an, dass man Kopfschmerzen bekommt, man wenn man zuviel raucht. Oder auch bei schlechtem Tabak oder schlechtem Shisha-Kopfbau verliert man schnell die Lust am Rauchen. Überraschenderweise spüre ich nach langer Abstinenz vom Rauchen kein Verlangen nach Shisha. Wie beim Essen von Pizza erlaubt man sich hier und da mal eine. Dennoch wäre ein Monat ohne kein Weltuntergang.

Jan (Name geändert), 20 Jahre, Nordhorn

Shisha-Rauchen soll schlimmer als eine Zigarette sein, aber was ist heutzutage nicht krebserregend? Sogar Nutella soll krebserregend sein und wird in einigen Länder aus dem Regal genommen. Seit rund drei Jahren rauche ich regelmäßig Shisha und ich denke, wenn man nicht drei Shishas am Tag raucht, sondern nur gelegentlich eine oder so, dass es keine Folgen hat.

Thong, 25 Jahre, Nordhorn

Ich habe noch nie Shisha geraucht. Wozu auch? In meinem Freundeskreis macht das keiner, also kann ich nicht behaupten, dass es mich stört. Die Leute machen das unter sich bei sich zuhause oder in einer Shisha-Bar, also da ist das Shisha-Rauchen schon mal weniger nervig für das Umfeld als das Rauchen von Zigaretten, da man unfreiwillig immer in ein paar Rauchwolken kommt, wenn man unterwegs ist.

Selbst wenn einer meiner Freunde mit Shisha anfängt, hätte ich kein Problem damit, solange dieser Freund mich nicht damit nervt, dass ich was verpassen würde und keinen Spaß in meinem Leben habe. Eins ist aber sicher: Der Körper merkt sich alles und wird irgendwann zurückschlagen.

Die Leute lassen mich sportlich sein und ich lasse sie Shisha rauchen. Es gibt bestimmt viele Leute, die Shisha rauchen und fitter sind als ich. Das eine muss das andere nicht ausschließen, nicht wahr? Alle können machen, was sie wollen, solange sie niemand anderen damit reinziehen.

Marie, 20 Jahre, Nordhorn

Angefangen zu rauchen habe ich mit etwa 17 ½ Jahren. Durch Freunde bin ich damals auf das Thema gestoßen. Ich hab gehört, dass es nicht so stinken soll wie zum Beispiel normale Zigaretten. Das Ganze war einfach etwas komplett Neues für mich. Das Nikotin beruhigt, entspannt und es schmeckt einfach. Es gibt eine enorme Auswahl von Lakritz, Traube, Minze und Karamell bis hin zum Waldmeistergeschmack. Es ist wichtig, dass man sich Zeit für das Rauchen nimmt, nicht so wie bei einer Zigarette, die man fünf Minuten raucht und dann die Kippe wegschmeißt. Shisha ist wirklich etwas komplett anderes. Mit der Zeit ist das Shisha-Rauchen zu einem Hobby von mir geworden. Ich liebe es, sodass ich in der Woche auch gerne mal vier bis fünf Köpfe mit Freunden rauche.

Ich muss zugeben, dass ich auch ein bisschen schuld daran bin, dass mein gesamter Freundeskreis mit Shisha-Rauchen angefangen hat. Shisha kann natürlich genauso gefährlich sein wie Zigaretten, denn schließlich ist da zum Beispiel Nikotin drin. Klar, es entsteht nicht so viel Teer, aber insgesamt raucht man eine größere Menge an Tabak über einen größeren Zeitraum. In einen Kopf passt ungefähr der Inhalt von fünf bis sechs Zigaretten. Shisha raucht man ein bis zwei Stunden und zieht nicht wie blöd daran. Zudem werden einige grobe Bestandteile des Tabaks auch durch das Wasser gefiltert. Dadurch wird aber längst noch nicht das Nikotin, Teer oder Kohlenmonoxid herausgefiltert, was aber wiederum viele denken. Da man mit einer schlecht gemachten Shisha einiges verpasst, könnte man zum Ausprobieren in eine Shisha-Bar zum Beispiel in Nordhorn, Schüttorf oder Lingen gehen.

Wie funktioniert eine Shisha?

Eine Shisha funktioniert „von oben nach unten“. Ganz oben liegen die glühenden Shisha-Kohlen. Darunter befindet sich – durch eine gelöcherte Alufolie oder ein feines Sieb getrennt – eine mit befeuchtetem Shisha-Tabak gefülltes Tongefäß, der sogenannte „Kopf“. Zieht der Raucher an seinem Mundstück, strömt die heiße Luft der Kohlen durch den Tabak. So verbrennt der Tabak nicht, sondern entwickelt allein durch die Erhitzung den Rauch. Der untere Teil der Shisha besteht aus einem mit Wasser gefüllten bauchigen Glasgefäß. Ein dünnes Rohr leitet den Rauch vom Kopf nach unten direkt in die Wassermitte. Der Rauch steigt durch das Wasser gekühlt an den Seiten nach oben, wo er in die einzelnen Schläuche mit Mundstücken verteilt wird.

  • Eine Shisha-Sitzung dauert in der Regel 20 bis 80 Minuten,
  • inhaliert werden insgesamt 50 bis 200 Züge,
  • benötigt wird spezielle Shisha-Kohle,
  • Shisha-Raucher sind Hunderten von potenziell gefährlichen Schadstoffen auf einmal ausgesetzt,
  • die Konzentration von Schwermetallen wie zum Beispiel Blei ist höher als im Vergleich zur Zigarette,
  • 10 bis 20 Gramm Shisha-Tabak pro Shisha-Sitzung wird benötigt,
  • Tabakrauch enthält über 4800 verschiedene Chemikalien,
  • Tabakrauchen verursacht jährlich mehr als sechs Millionen Todesfälle weltweit.

Mögliche negative Auswirkungen:

  • verfärbt Zähne und Zahnersatz
  • reduziert Geruchs- und Geschmackssinn
  • kann süchtig machen
  • schon gelegentliches Rauchen führt zu Veränderungen in der Lunge
  • verursacht Leberfunktionsstörungen und Atemwegserkrankungen
  • niedriges Geburtsgewicht von Raucherkindern
  • erhöhtes Risiko von Krebserkrankungen, insbesondere der Lunge, des Mund- und Halsbereichs und der Bauchspeicheldrüse.

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