Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
(11) rating rating rating rating rating

„Ja“-Stimmen der Deutschtürken entfachen Integrationsdebatte

men der Deutschtürken entfachen Integrationsdebatte
Türkisches Wahllokal in Dortmund: Die Wahlbeteiligung unter den türkischen Wählern in Deutschland lag fast 40 Prozentpunkte niedriger, als in der Türkei. Foto: Ina Fassbender

Protest? Patriotismus? Woher kommt die Unterstützung für Erdogan unter Deutschtürken? Nach dem Referendum über das Präsidialsystem in der Türkei entflammt in Deutschland eine Debatte über Integration.

dpa Berlin. Wegen der starken Unterstützung vieler Deutschtürken für das Verfassungsreferendum in der Türkei warnen Politiker vor Integrationsproblemen.

„Die jetzige Situation ist auch eine Belastung des Integrationsprozesses hier in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Sie warnte vor einer Spaltung der türkischen Gemeinde in Deutschland. „Es ist jetzt mehr denn je Besonnenheit gefragt.“

Grünen-Chef Cem Özdemir sieht die in Deutschland lebenden Türken aus dem „Ja“-Lager in Erklärungsnot. „Ein Teil der Deutschtürken muss sich kritische Fragen gefallen lassen“, sagte er im ARD-„Morgenmagazin“. Sie genössen in Deutschland die Vorteile der Demokratie, richteten in der Türkei aber eine Diktatur ein. „Wir müssen über Versäumnisse der Integrationspolitik reden“, sagte der Schwabe mit türkischen Wurzeln.

Die Deutschtürken haben aus Sicht des Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, auch aus Protest das Präsidialsystem Erdogans unterstützt. „Sie wollten dadurch Protest zum Ausdruck bringen gegen das, was sie seit Jahrzehnten aus ihrer Sicht hier empfinden“, sagte Sofuoglu dem Südwestrundfunk. „Dass sie sich diskriminiert fühlen, dass sie sich ausgegrenzt fühlen, hat, denke ich, zu der ganzen Diskussion vor dem Referendum und den Spannungen zwischen Europa und der Türkei geführt.“ Erdogan habe das sehr polemisch aufgegriffen und Europa und Deutschland als Feindbild genommen. Bei der Integration von Türken in Deutschland müsse „auf jeden Fall einiges nachgebessert werden“, sagte Sofuoglu.

Eine knappe Mehrheit - 51,4 Prozent - der türkischen Wähler hatte bei dem Referendum am Sonntag für eine Verfassungsreform gestimmt. In Deutschland konnte Erdogan für sein Präsidialsystem sogar fast eine Zweidrittelmehrheit hinter sich vereinen - 63,1 Prozent. Das neue Präsidialsystem verleiht dem Staatsoberhaupt deutlich mehr Macht. Die Opposition, die eine Ein-Mann-Herrschaft des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan befürchtet, fordert wegen Unregelmäßigkeiten eine Annullierung der Abstimmung.

Das mehrheitliche Votum der in Deutschland lebenden Türken kann indes nach Einschätzung des Wahlforschers Joachim Schulte nicht als Beleg für eine gescheiterte Integration gewertet werden. Unter dem Strich habe nur ein kleiner Teil tatsächlich „Ja“ gesagt, sagte der Geschäftsführer des deutsch-türkischen Meinungsforschungsinstituts Data 4U. Nur die Hälfte der Wahlberechtigten habe abgestimmt. „Das Ergebnis gibt aber einen Hinweis, in welche Richtung einige Deutschtürken denken“, sagte Schulte. „Sie haben die engste Verbindung in die alte Heimat, nutzen am meisten Medien aus der Heimat, beteiligen sich stärker an Wahlen dort, sind am stärksten ihrer Muttersprache verbunden.“

Nach seinem umstrittenen Sieg hatte Staatschef Erdogan seine Bereitschaft bekräftigt, die Todesstrafe wieder einzuführen. Sollte das Parlament die entsprechende Verfassungsänderung mit der nötigen Zweidrittelmehrheit bestätigen, werde er das Gesetz unterzeichnen. „Aber wenn nicht, dann machen wir auch dafür ein Referendum.“ An einem solchen Referendum dürften sich nach türkischem Recht auch wieder wahlberechtigte Türken im Ausland beteiligen.

Die Bundesregierung darf eine solche Abstimmung aus Sicht des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu nicht erlauben. „Die Durchführung eines solchen Referendums ist eine rote Linie und kommt einem Ende der EU-Beitrittsgespräche gleich“, sagte Mutlu. „Ein Referendum zur Einführung der Todesstrafe widerspricht unseren Werten diametral und darf in Deutschland nicht zugelassen werden.“

Diesen Artikel

bewerten

rating rating rating rating rating

weitersagen

  • Twitter
  • Facebook
Artikel versenden

sichern

Drucken

empfehlen

Die Meinung unserer Leser

11 Leserkommentare

1. | Nasen | Dienstag, 18.04.2017 | 17:34 Uhr

Das die meisten Türken hier ihr eigenes Süppchen kochen , ist doch immer so gewesen . Oder sind die in der Feuerwehr oder groß freiwillig irgendwo tätig? Wenn ja bitte wo ?

2. | Mo Mentmal | Dienstag, 18.04.2017 | 19:25 Uhr

@1 Gab es irgendwo eine Aktion die Migranten, Deutschrussen oder polnische Einwanderer in die Feuerwehren holen sollte?

3. | Projekt Gold | Dienstag, 18.04.2017 | 20:47 Uhr

@Mo Mentmal: Sind Ihnenen Werbeaktionen der Freiwilligen Feuerwehren bekannt, die sich nur an Deutsche oder gegen Türken gewandt haben? Dabei geht es um freiwilliges Engagement für die Allgemeinheit; und das scheinen einige Bevölkerungsgruppen nicht leisten zu wollen. Ich glaube nicht, dass ein türkischstämmiger Bewerber von der Feuerwehr abgelehnt werden würde.

4. | Rudolf Kreft | Mittwoch, 19.04.2017 | 00:55 Uhr

Geht´s auch noch eine Nummer tiefgründiger? Ich möchte eine These in den Raum stellen: Könnte es nicht auch sein, dass sich die Türken - und ich begegne ganz vielen von ihnen und sie mir mit wohlwollendem Respekt - zwar sehr wohl als integriert fühlen aber in Kenntnis unserer parlamentarischen Demokratie auf den Gedanken kommen könnten, die Entscheidungswege sind oft nicht Transparenz nachvollziehbar und dauern viel zu lange. ((Gestatten sie mir einen Hinweis auf die die 1989 vereinbarte Änderung der Präambel zum Grundgesetz. Auf die Bildungspolitik und Sicherheitspolitik in 16 politisch unterschiedlich regierten Bundesländern. Unser Wahlrecht bedarf einer dringenden Korrektur. Es werden doch oft nicht die von den Wählern begünstigten Kandidaten in die Räte berufen, sondern jene die in den Hinter= zimmern der Parteien aufgestellten Bewerber)) . Ist unser System wirklich für die Mehrheit der Türken so vorbildhaft??.

5. | Webblade | Mittwoch, 19.04.2017 | 12:30 Uhr

@ 4: Sicherlich ist der Großteil der in Deutschland lebenden Türken sehr wohl integriert. Wenn man dann jedoch schaut das 63,1% der zu Wahl gegangenen Türken für ein Präsidialsystem in der Türkei stimmen, so frage ich mich: Was habe die hier lebenden Türken denn davon? Warum stimmen sie über Belange ab die sie nicht betreffen? Ich weiß nicht ob es gut oder schlecht für die Türkei ist ein Präsidialsystem einzuführen und werde es auch nicht bewerten, hätte mich aber gefreut wenn 63,1% auf ihr Stimmrecht verzichtet hätten damit die Bevölkerung in der Türkei über ihr eigenes Regierungssystem entscheiden kann. Wahlrecht hin oder her. Hier in Deutschland haben wir eine Demokratie die auch den integrierten Türken zugute kommt mit all ihren Vor-und Nachteilen. P.S.: Ein Referendum zur Todesstrafe, wie Erdogan es vorhat (sollte das Parlament dagegen sein) muss in Deutschland verboten werden wenn es zum tragen kommt.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Mehr aus diesem Ressort

Kabinett will Rentenerhöhung beschließen

will Rentenerhöhung beschließen

Mehr Geld für die 21 Millionen Rentner in Deutschland: Das Kabinett will heute die schon vor Wochen angekündigte Rentenanpassung formal beschließen. Danach steigen zum 1. Juli die Renten im Westen um 1,9 Prozent, in Ostdeutschland um 3,59 Prozent. mehr...

„Jahrhundert-Raub“ in Paraguay: 1,3 Mio. Euro konfisziert

ert-Raub“ in Paraguay: 1,3 Mio. Euro konfisziert

Mit einem blutigen Raubüberfall versetzen rund 50 Verbrecher eine ganze Stadt in Angst. Sie sprengen einen Tresor, und flüchten mit vielen Millionen Dollar über einen Fluss nach Brasilien. Nach und nach kann die Polizei einiger Täter und Geldbeutel habhaft werden. mehr...

Abschluss des Welt-Frauengipfels in Berlin

 des Welt-Frauengipfels in Berlin

Ein ungewöhnlicher und prominent besetzter Gipfel geht dem Ende zu. Zum Abschluss des Welt-Frauengipfels in Berlin kommt Kanzlerin Merkel noch einmal vorbei. Schon vorher hatten US-Präsidententochter Ivanka Trump und die niederländische Königin Máxima Glanzlichter gesetzt. mehr...

Neueste Top-Themen
Neueste
Heute meistgelesen
Heute gelesen
Soziale Netzwerke
  • GN-Online bei Facebook
  • GN-Online bei Twitter
  • GN-online bei google plus
E-Paper
  • GN-App im Apple-Store
  • GN-E-Paper als html5-Version
  • GN-App im Google-Play-Store
Jugendmagazin
Neueste