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17.05.2017ratingratingratingratingrating

Klicktipp: Die Nordumgehung von oben

: Die Nordumgehung von oben

Brücke N1 (rechts) führt über die Vechte. Links die Unterführung N9 (Viehtrift). Im Hintergrund die Veldhauser Straße. Foto: Jens-Hendrik Mülstegen

Alle Brücken sind im Bau, der Trassenverlauf ist aus der Luft vielerorts schon gut zu erkennen: Die Nordhorner Nordumgehung wächst. In diesen Wochen läuft die Ausschreibung für das nächste Kapitel: die Erdarbeiten.

Nordhorn. Sie sind die ersten sichtbaren Anzeichen eines gewaltigen, insgesamt gut 32 Millionen Euro teuren Bauprojekts: Mehrere „So-da-Brücken“ stehen bereits einsam und scheinbar nutzlos auf Äckern und Wiesen im Norden und Osten Nordhorns, führen über die Vechte, die Lee und den Süd-Nord-Kanal. Noch fehlt zwischen diesen Bauwerken die Straßenverbindung, die künftig die Nordumgehung zwischen den Bundesstraßen 403 und 213 bilden wird. Was für Passanten noch schwer vorstellbar ist, erschließt sich jedoch bereits bei einem Blick aus der Luft. Aus dem Flugzeug ist klar zu erkennen, auf welcher Trasse der Durchgangsverkehr ab Herbst 2019 um Nordhorn herumgeleitet werden soll.

Hobbypilot Jens-Hendrik Mülstegen aus Veldhausen ist die insgesamt 8,6 Kilometer lange Strecke am vergangenen Wochenende mit dem Flugzeug abgeflogen und hat sämtliche Bauwerke, die zurzeit im Zuge der Nordumgehung entstehen, fotografiert. Seine Bilder zeigen Brücken, die weit entfernt jeder Straße bereits fix und fertig „so da“ stehen. Aber sie bieten auch einen unverstellten Blick auf Großbaustellen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnhäusern. Baustraßen zeichnen in einigen Bereichen bereits den künftigen Verlauf der Umgehung vor, während andernorts zwischen den Brücken noch Wiesen grünen und Äcker gepflügt werden.

Mit dem Bauwerk N6 hatte im Jahr 2015 der Bau der Umgehungsstraßenbrücken begonnen. Das Bauwerk mit einer lichten Weite von nur sieben Metern überspannt unweit des Hotels Rammelkamp den Leebach. Es ist damit – abgesehen von einer so genannten Viehtrift – die kleinste entstehende Brücke im Zuge der Nordumgehung. Sie war sofort nach dem Startschuss für das Straßenbauprojekt Ende 2014 in Auftrag gegeben worden und wurde im Oktober 2015 als erste Brücke fertiggestellt.

Bis Ende diesen Jahres sollen auch alle anderen Brücken fertig sein. Die Bauwerke waren in mehreren Losen ausgeschrieben und vergeben worden. Ein emsländisches Bauunternehmen hatte für alle Bauwerke die günstigsten Angebote abgegeben. Mit der Fertigstellung der letzten großen Brücken über den Süd-Nord-Kanal, die Veldhauser Straße und die Vechte geht der erste große Abschnitt des Bauprojekts Nordumgehung zu Ende.

Inzwischen hat die Lingener Straßenbauverwaltung das nächste Kapitel des Projekts aufgeschlagen: Anfang Mai wurde die europaweite Ausschreibung für die Erdarbeiten veröffentlicht. Vergeben wird damit der Auftrag zum Aufschütten von mehreren Millionen Kubikmetern Sand für die rund 8,6 Kilometer lange Straßentrasse. Diese Erdarbeiten werden in einem einzigen Los ausgeschrieben. Sie haben ein Auftragsvolumen von rund 18 Millionen Euro. Der Auftrag soll bis Oktober vergeben sein.

Beginnen sollen diese Erdarbeiten dann im Frühjahr 2018, mit ersten Vorarbeiten eventuell schon in diesem Herbst. Es wird damit gerechnet, dass das Aufschütten und Nivellieren der Trassendämme etwa ein Jahr dauert. Sobald die Arbeiten beendet sind, folgt der eigentliche Straßenbau mit den notwendigen Gründungs-, Entwässerungs- und Asphaltarbeiten.

Die T-förmige Umgehung soll in drei Abschnitten entstehen: Der erste Straßenabschnitt beginnt an der Bundesstraße 213 in Klausheide in Höhe Hotel Rammelkamp und führt bis zur Kreuzung L67 / Wietmarscher Straße. Dieser Abschnitt muss zuerst fertiggestellt werden und soll schon Ende 2018 für den Verkehr freigegeben werden.

Das ist Voraussetzung, um zwei wichtige Knotenpunkte zu bauen: den Schnittpunkt der neuen L67 (die parallel zur bisherigen Wietmarscher Straße entsteht) mit der Nordumgehung sowie den südlichen Anschluss der neuen L67 an die bisherige Wietmarscher Straße in Höhe „Küchen Ardland“.

Erst danach können die beiden weiteren Bauabschnitte in Angriff genommen werden: der Neubau der L67 von der „McDonald‘s“-Kreuzung bis zur Nordumgehung sowie der Teilabschnitt der Umgehungsstraße von der L67 bis zum Anschluss an die B403 in Frenswegen. Diese beiden Bauabschnitte sollen etwa im Sommer 2019 fertig sein. Wenn danach auch die abschließenden Fahrbahnmarkierungen und Beschilderungen termingerecht erfolgen können, soll die Umgehungsstraße spätestens im November 2019 freigegeben werden.

„Bisher liegt das Projekt voll im Zeitplan, Probleme gibt es nicht“, sagt Klaus Haberland, Leiter des zuständigen Geschäftsbereichs Lingen der Niedersächsischen Straßenbauverwaltung. Er sieht deshalb bisher keinen Grund, am anvisierten Freigabetermin zu zweifeln.

Zum ersten Mal hat die Niedersächsische Straßenbauverwaltung für die Nordhorner Nordumgehung eine neue Form der Öffentlichkeitsarbeit gewählt: Sie lässt in regelmäßigen Abständen die Trasse der künftigen Umgehungsstraße mit einer Drohne befliegen und veröffentlicht die dabei entstehenden Fotos im Internet. Diese Luftaufnahmen von Brückenbaustellen und künftig auch von Trassenabschnitten werden für interne Zwecke der Behörde ohnehin gemacht. Jetzt werden sie im Rahmen eines Pilotprojekts veröffentlicht, um die Resonanz dieses Informationsangebots zu testen.

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