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Kunstrasen: Grüne/Linke wollen kein Risikospiel

n: Grüne/Linke wollen kein Risikospiel
Statt eines Kunstrasenplatzes fordern die Grünen/Linken in Schüttorf lieber eine Naturrasenfläche für den FC Schüttorf 09. Die Gruppe im Stadtrat fürchtet die gesundheitlichen Folgen eines Kunstrasenplatzes. Symbolfoto: Stephan Konjer

„Gesundheitsgefahren bei Kunstrasenplätzen sind nicht auszuschließen“, findet die Schüttorfer Gruppe Grüne/Linke. Sie will „dieses Risikospiel nicht mit spielen“ und fordert statt eines Kunstrasenplatzes Naturrasen.

gn Schüttorf. Die Gruppe Grüne/Linke im Schüttorfer Stadtrat hält den Bau eines Kunstrasenplatzes in Schüttorf für unverantwortlich: Und das nicht nur, weil die Faktenlage zu Investitionskosten, Abschreibungen, Pflegekosten, Folgekosten, Fördermöglichkeiten, Alternativen und so weiter bisher mehr als dünn und wenig überzeugend gewesen sei. Das Thema Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Kunstrasen beschäftige die Gruppe seit September intensiv. Man habe internationale Berichte studiert und nationale Fußballverbände und Vereine schriftlich und telefonisch kontaktiert und befragt. Für die Gruppe stehe fest: „Egal, um welche Generation Plätze oder um welche Sorte Granulat es gehe, es gebe Anlass zu großer Sorge über die Risiken und Nebenwirklungen von Kunstrasenplätzen“, teilt sie in einer Pressemitteilung mit.

„Langzeitexperiment mit gesunden Menschen“

In den Granulaten befänden sich krebserregende PAKS (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Deshalb seien viele Toxikologen und Hämatologen der Meinung, dass Spielen auf Kunstrasen sofort gestoppt werden sollte. Ratsherr Harry van Zwieten bezeichnet das Fußballspielen auf Kunstrasen als „ein Langzeitexperiment mit gesunden Menschen.“ Er ergänzt: „Weil wir auch nicht genau wissen, welche Stoffe sich in den anderen Granulaten (EPDM und TPE) befinden, müssen wir hier das Vorsorgeprinzip beherzigen. Und das heißt: Es wird in Schüttorf nicht auf Kunstrasen gespielt und es wird kein Kunstrasenplatz gebaut, bis wir den wissenschaftlichen Nachweis haben, dass es kein Risiko für unsere Sportlerinnen und Sportler, insbesondere unserer Kinder und Jugendlichen in den Vereinen, bedeutet.“ Die Gruppe sei in den internationalen Berichten und Untersuchungen auf schreckliche Bilder von meist jungen, an Krebs erkrankten Menschen gestoßen, bei denen anscheinend eine Verbindung zwischen Fußballspielen und Kunstrasen bestehe.

Herkunft der Granulate sei unbekannt

Wenn man das sehe und realisiere, dass „dasselbe unseren Kindern und Enkelkindern geschehen könnte, könne es nur darum gehen dem FC Schüttorf 09 eine andere Alternative als einen Kunstrasenplatz zu bieten“. Dabei könne man nicht auf wissenschaftliche Untersuchungen zum Gefährdungspotenzial von Kunstrasen warten, das dauere mindestens zehn Jahre. Aber ein Experimentieren mit der Gesundheit komme für die Gruppe nicht in Frage. „Wir wollen nicht dafür verantwortlich sein, dass Nutzer von Kunstrasenplätzen ein viel höheres Risiko haben an Leukämie, Lymphdrüsenkrebs oder anderen Krebsarten zu erkranken, weil wir in diesem Rat nur die Wünsche von einzelnen Personen oder kleinen Gruppen befriedigen, denen es anscheinend mehr um Status geht als um Gesundheit“, so van Zwieten. „Wir wollen hier ganz sicher kein Spiel mit der Angst betreiben“ ergänzt Claudia Middelberg, „aber bei solch schwerwiegenden möglichen Konsequenzen muss man im Zweifel die mit Sicherheit unschädliche Variante wählen und das sind Naturrasenflächen.“ Die Herkunft der Granulate sei unbekannt. Das habe der Internationale Branchenverband in Helsinki zugegeben – in einem Geheimdokument.

Anwohner erkrankten

In den Niederlanden erkrankten beispielsweise in 2010 Anwohner eines Sportplatzes – dort wurde Granulat mit Gummi aus der petrochemischen Industrie vermischt. „Das Granulat enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKS). Die Menge PAKS in vermahlenen Autoreifen ist um ein vielfaches höher als die europäischen Richtlinien es zulassen. Von acht krebserregenden PAKS darf sich zum Beispiel nur ein Milligramm per Kilogramm in Granulat befinden und in Produkten für Kinder nur 0,5 Milligramm per Kilogramm – man spricht hier von der Konsumentennorm. In Kunstrasenplatzgranulaten liegt die tatsächliche Belastung, laut Toxikologen, 10 bis 100-Fach höher“, heißt es von der Gruppe.

Van Zwieten weiß zu berichten, dass in den Niederlanden seit dem 5. Oktober viele Amateurvereine keinen Fußball mehr auf Kunstrasen spielen. Das Gesundheitsministerium der Niederlande habe den Auftrag erteilt, diese gesundheitlichen Aspekte zu untersuchen und vor Ende des Jahres die niederländische Gesundheitsministerin über die gesundheitlichen Risiken von Kunstrasen zu informieren. Außerdem untersuche die European Chemicals Agency in Auftrag der Europäischen Kommission die Zusammensetzung von Granulat und die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit (Fertigstellung etwa Ende Februar 2017). Vor Kurzem habe die holländische Reifen-Branchenorganisation VACO Ergebnisse aus Untersuchungen über die Menge an krebserregenden Stoffen in Granulaten auf Kunstrasenplätzen frei gegeben: Demzufolge seien auf mehr als 96 Prozent der Kunstrasenplätze in den Niederlanden krebserregende Stoffe gefunden worden – und zwar in viel höheren Konzentrationen als sie in Produkten für Verbraucher zugelassen seien.

Ein wichtiger Aspekt sei folgender: Die Granulate werden als Umweltprodukte und nicht als Konsumentenprodukte betrachtet. Die Umweltnorm für alle gefundenen krebserregenden Stoffe im Granulat sei 1000 Milligramm pro Kilogramm. Der Normwert für Konsumentenprodukte betrage hingegen nur ein Milligramm pro Kilogramm Granulat und für Kinderprodukte sogar nur 0,5 mg pro Kilogramm.

„Risikospiel nicht mitspielen“

Richtig sei, so die Gruppe Grüne/Linke, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Langzeitstudien gebe, die wissenschaftlich beweisen, dass Kunstrasenplätze gesundheitsschädlich sind. Richtig sei aber auch: Es gebe zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beweis, keine Langzeitstudie, dass Kunstrasenplätze langfristig keine Gefahren für die Gesundheit bergen und das Risiko für eine Krebserkrankung bei regelmäßigem Kontakt mit Kunststoffgranulaten nicht steige. „Die Vertreter der Gruppe Grüne/Linke werden dieses Risikospiel nicht mitspielen“, heißt es in dem Pressetext weiter..

Mehr dazu lesen Sie am Sonnabend in den Grafschafter Nachrichten und auch hier im E-Paper.

Die Antworten der Verwaltung auf die Fragen der Schüttorfer Grünen sind hier auf Facebook zu lesen.

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Die Meinung unserer Leser

4 Leserkommentare

1. | FussballFreund | Freitag, 09.12.2016 | 18:24 Uhr

Finde es grundsätzlich gut wie sich die Grünen und die Linke in der Sache verhält. Aber komisch das sich bei 2 Nordhorner Kunstrasenplätzen, VFL und Vorwärts, keine der beiden Parteien zu Wort gemeldet hat. Und das Projekt von Vorwärts sehr schnelle durchgezogen wurde. Ging es darum schnell Fakten zu schaffen? Oder kümmern sich die Nordhorner Grünen nicht so um unsere Kinder? Bleibt nur zu hoffen das nichts passiert. Habe mich auch etwas mit dem Thema beschäftigt, und bin der Meinung unserer Niederländischen Nachbarn, in dieser Sache Vorsicht walten zu lassen. Würde mein Kind nicht auf einem Kunstrasenplatz spielen lassen. Schade das die Nordhorner Grünen sich anscheinend nicht mit dem Thema beschäftigt haben.

2. | Eckball | Freitag, 09.12.2016 | 22:00 Uhr

@ Fussballfreund Das es in Nordhorn den Grünen nicht interessiert hat liegt warscheinlich daran das es dort keinen gefrusteten Anwohner gibt hinter dessen Garten jetzt auf den bisherigen Fussballlplätzen ein Baugebiet entstehen soll. Seitdem wettert er bei Facebook mit aller Macht gegen den FC 09, der Stadt und den Planungen bezüglich eines Kunstrasemplatzes. Bei seinem Recherchen ist er dann auf evtl. Gesundheitsgefahren gestoßen. Auf diesen Zug sind jetzt auch die Grünen in Schüttorf mit aufgesprungen,, sonst hätten die da auch nichts von gewusst und würden sich jetzt nicht kritisch dazu äußern.

3. | FussballFreund | Freitag, 09.12.2016 | 23:30 Uhr

Da ich nicht bei Facebook aktiv bin kann ich das nicht beurteilen. Verstehe ich das den jetzt richtig? Der Anwohner hätte lieber ein Neubaugebiet als einen Fußballplatz? Oder andersrum? Aber die Gefahren lassen sich ja auch nicht von der Hand weisen. In den Niederlanden werden immer mehr Plätze gesperrt. Selbst Profivereine lassen ihre Profis nicht mehr auf Kunstrasen trainieren. So sehr ich den Vereinen die Wetterunabhängigkeit auch gönne darf das nicht die Gesundheit gefährden. Bin dafür das erst wieder neue Plätze gebaut werden wenn klar ist das keine Gefahr besteht!

4. | Thomas Prondzinski | Montag, 12.12.2016 | 07:21 Uhr

@Eckball: wie kommen Sie darauf, dass ich gefrustet bin? Es geht mir nicht um das Baugebiet, nach Gesprächen mit der Stadt Schüttorf ist das für mich OK. Außerdem läuft die Bauleitplanung für das Baugebiet, Kunstrasen hin oder her. Würden Sie sich besser informieren, bräuchten Sie hier nicht solche Behauptungen aufstellen müssen. Und wenn Sie die ganze Diskussion verfolgt und begriffen hätten, würden Sie auch anders darüber denken. Das Thema Gesundheitsgefährdung haben die Grünen in Schüttorf allein aufgegriffen, da ist keiner auf irgendeinen Zug aufgesprungen.


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