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11.01.2017ratingratingratingratingrating

Nordhorner entwickelt Anlage zum Reifen-Recycling

r entwickelt Anlage zum Reifen-Recycling

Altreifenpyrolyse: Andree Röper (links) und Helmut Haneklaus haben eine Anlage zum kompletten Recycling von Altreifen in einem ehemaligen Schweinestall aufgebaut. Foto: Michael Gründel

Helmut Haneklaus hat die 70 schon deutlich überschritten, wenn es aber um seine Herzensangelegenheit geht, entwickelt er den Elan eines 25-Jährigen. Haneklaus’ Steckenpferd ist die Pyrolyse von Altreifen.

Bramsche/Nordhorn. Haneklaus hat ein recht bewegtes Leben hinter sich. Geboren in Nordhorn, hat er 40 Jahre in der Grafschaft gelebt. Ein Mineralöllager an der Westfalenstraße und der Betrieb freier Tankstellen (heute Aldi) sorgten für das Einkommen. Die Ölkrise 1973 brachte den großflächigen Niedergang der Freien und Haneklaus musste sich nach einem neuen Broterwerb umsehen. Als umtriebigen Geist zog es ihn in die USA und nach Saudi Arabien – überwiegend als Kaufmann, aber mit stark ausgeprägtem Hang zum Technischen.

Weniger ruhmreich endete nach seiner Rückkehr nach Nordhorn sein Einsatz für ein großes Nahwärmeversorgungsnetz in Nordhorns erster Ökosiedlung am Sonnenteich. Derzeit lebt der 75-Jährige wieder in Nordhorn.

Pyrolyse schon in der Steinzeit bekannt

Wenn Haneklaus über sein Pyrolyseverfahren spricht, in dem mittlerweile zehn Jahre Entwicklungsarbeit stecken, hört er sich nicht an wie ein ideologisierender Weltverbesserer. Im Gegenteil: Haneklaus argumentiert mit Zahlen und wissenschaftlichen Werten. Sachargumente sind eher sein Ding als Tagträumereien.

Dabei spielt ihm die Macht des Faktischen in die Karten, denn die Pyrolyse als solche ist wahrlich keine neue Erfindung. „Die Pyrolyse ist schon Tausende von Jahren alt“, sagt Haneklaus und verweist dabei – kaum zu glauben, aber wahr – auf die Steinzeit. Schon 8300 bis 4000 Jahre vor Christus, als unsere Ahnen noch mit Keule und Fellbehang durch die Wälder zogen, produzierten sie durch Verschwelung Holzteer und Pech.

Bestandteile trennen sich voneinander

„Das Prinzip ist gleich geblieben“, so Haneklaus beim Blick auf seine Versuchsanlage. Am Anfang steht ein großer schwarzer Kasten, in den der sogenannte Reaktor mit den Altreifen gestellt wird. Im Reaktor herrscht Unterdruck, während der ihn umgebende Ofen auf mehrere Hundert Grad aufgeheizt wird. Die Reifen werden also nicht direkt verbrannt, sondern verschwelen in dem Reaktor in einer Atmosphäre unter Vakuum. Dabei trennen sich ihre chemischen Bestandteile voneinander, sodass am Ende des Prozesses wieder in erster Linie Industrieruß (Carbon Black), Öl, und das in die Reifen eingearbeitete Metall stehen. Zudem entsteht Gas, mit dem Haneklaus die Anlage betreibt.

Seine Versuchsanlage auf dem Hof Brüning bei Bramsche hat durch ihren Standort in einem alten Schweinestall und durch das noch im Improvisationsstadium befindliche eine oder andere Bauteil noch ein recht markantes Erscheinungsbild. Gleichwohl funktioniert das, was Haneklaus und seine Mitstreiter, unter anderem Andree Röper, hier in diesem Stall zusammengebastelt haben, reibungslos.

Dezentrale Anlagen statt großer Fabriken

Die Anlage ist aus dem reinen Experimentieralter herausgewachsen. Sie könnte jederzeit in Serie gehen. Der Tüv Nord ist herbeigerufen, um das Projekt abzunehmen, und hat sich schon äußerst angetan gezeigt. Das nimmt kaum wunder, denn Haneklaus hat in Bramsche verfeinert, was er in Saudi-Arabien mit saudischen Partnern schon in der Großversion ans Laufen bekommen hat.

Allerdings hat der Mann, der in der Wüste schon eine Hühnerfarm gebaut, mit Mineralöl gehandelt und im fernen Texas Autoteile verkauft hat, seiner Idee der Pyrolyse ein wirtschaftliches Konzept verordnet, dass ganz bewusst an Großinvestoren vorbeisteuern will. „Ich möchte die Anlagen gerne in Form von Genossenschaften betreiben“, sagt Haneklaus, der bewusst den Plural wählt, weil seine Idee der Altreifenpyrolyse ein dezentrales Recycling vorsieht. Es mache keinen Sinn, die Reifen erst per Lkw über weite Wege durch die Lande zu karren, so Haneklaus, der sich seine Pyrolyseanlagen sogar als mobile Einheiten vorstellen kann. Bis dahin ist es sicherlich noch ein weiter Weg, aber der scheint auch einer wachsenden Zahl von Mitstreitern durchaus gangbar. Einer von ihnen ist Axel Gartmann. Der Geschäftsführer der Firma Elektro Gartmann will sich in Planung und Bau der Anlagensteuerung einbringen.

Haneklaus hat, um sein Ziel voranzutreiben, die Stiftung Human Visions mit Sitz in Osnabrück gegründet. Die Stiftung entwickelt und unterstützt gemeinnützige Projekte in den Bereichen Menschenrechte, soziale und ökologische Gemeinschaften, Natur- und Umweltschutz sowie dem Tierschutz. Die Stiftung hat die Altreifenpyrolyse zur Marktreife entwickelt. Jetzt will Haneklaus via Stiftung Lizenzen für das Verfahren für kleines Geld an Interessenten verkaufen. Nach Genossenschaften steht Haneklaus der Sinn, weil die Rendite aus dem Recycling so möglichst vielen Menschen zugutekommen kann. Der Ehrgeiz, persönlich viel Geld mit seinem Verfahren zu verdienen, treibt ihn nicht an. Der 75-Jährige will Ressourcen schonen, das liegt ihm am Herzen.

Seine Altreifenpyrolyse verwertet die Pneus komplett. Am Ende des Prozesses bleiben nur wiedereinsetzbare Rohstoffe übrig: Nach seinen Berechnungen ergeben sich aus dem Einsatz von 6000 Tonnen Altreifen jährlich 2100 Tonnen Carbon Black, 2700 Tonnen Öl und 600 Tonnen Stahl – alle Stoffe in keine weitere Aufarbeitung erfordernder Qualität.

„Als Gesellschaftsform käme eine Genossenschaft in Betracht. Denn bei dieser Gesellschaftsform kann ein starkes und gutes Gemeinschaftswohl praktiziert werden. Dies auch, um einen möglichst breiten Interessentenkreis anzusprechen. Es wäre ein erstes Modell für Klein-Investoren mit ausgeprägten Umweltgedanken“, blickt Haneklaus in eine glänzende Altreifenpyrolysezukunft, die er gerne weiteren Interessenten vermitteln will. Die können sich unter hh@actana.de mit Helmut Haneklaus in Verbindung setzen.

Artikel-URL: http://gn-online.de/nachrichten/nordhorner-entwickelt-anlage-zum-reifen-recycling-179394.html