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Nordhorner Theaterwerkstatt vor dem Aus?

r Theaterwerkstatt vor dem Aus?
Gehen für die Theaterwerkstatt die Lichter aus? Nur noch bis zum 31. Januar 2017 hat der Verein die Möglichkeit, in der Nordhorner Kornmühle ein Programm zu bieten. Foto: Westdörp

Paukenschlag in der Nordhorner Kulturszene: Im Rathaus wird bezweifelt, dass der Verein ordnungsgemäß mit öffentlichen Geldern umgeht. Diese Vorwürfe weisen Vorsitzende und künstlerischer Leiter kategorisch zurück.

Nordhorn. Vertrauensverhältnis zerrüttet: Für die Öffentlichkeit überraschend hat die Stadt Nordhorn in der vergangenen Woche alle Verträge mit dem Verein „Förderkreis der Theaterwerkstatt“ gekündigt. Die Stadt sehe es „als erwiesen an“, heißt es im Kündigungsschreiben, „dass seitens des Vereins vereinnahmte Gelder und insbesondere auch durch die Stadt Nordhorn auf der Grundlage des Kooperationsvertrages bewilligte Zuschüsse (mithin Steuergelder) zweckwidrig und satzungswidrig verwendet worden sind“.

Der Vorwurf ist Ergebnis einer Prüfung des Jahresabschlusses 2014 der Theaterwerkstatt durch das Rechnungsprüfungsamt (RPA) der Stadt. Dieser Bericht hatte sechs verschiedene „Ungereimtheiten“ aufgelistet. Der Prüfbericht sei von den Mitgliedern des Rates „mit dem größten Missfallen und erheblicher Besorgnis zur Kenntnis genommen“ worden, heißt es im Kündigungsschreiben.

Gekündigt wurden zwei Verträge: Einer überträgt der Theaterwerkstatt die Gastronomie im Foyer des Konzert- und Theatersaals. Dieser Gastronomievertrag wurde fristgerecht zum Ende des Jahres gelöst. Entscheidender ist der sogenannte Kooperationsvertrag, der die Theaterwerkstatt zu mindestens vier Theaterproduktionen pro Jahr verpflichtet und ihr im Gegenzug kostenfrei die Nutzung der Kornmühle und ihrer Nebengebäude überträgt. Diesen Vertrag, der im Prinzip seit 1995 besteht, kündigt die Stadt „aus wichtigem Grund“ zum 31. Januar 2017.

Krise schwelt seit Jahren

Damit erreicht eine Vertrauenskrise ihren vorläufigen Höhepunkt, die schon seit Jahren schwelt. Es geht um die Finanzen des Laienspielvereins, der pro Jahr aus Steuermitteln einen Zuschuss von 26.250 Euro für seine Arbeit erhält. Der Vorwurf: Die Einnahmen und Ausgaben des Vereins, vor allem die Verwendung der städtischen Fördermittel, sei „nicht nachvollziehbar“ dokumentiert. Das hatte schon 2015 im Kulturausschuss des Rates zu langen Diskussionen um den Jahresabschluss 2013 geführt. Danach hatte der Stadtrat das Rechnungsprüfungsamt der Stadt beauftragt, im jährlichen Wechsel alle Einrichtungen zu prüfen, die Zuschüsse aus der Stadtkasse erhalten. Erster Prüfauftrag: der Jahresabschluss 2014 der Theaterwerkstatt.

Dieser Prüfbericht liegt nach fast einjähriger Arbeit nun seit Oktober 2016 vor. Er habe „nicht nachvollziehbare Ungereimtheiten“ bei den Einnahmen und Ausgaben aufgezeigt, erklärten Bürgermeister Thomas Berling und Kulturreferentin Kerstin Spanke auf GN-Anfrage. Es gebe sechs faktisch belegte Vorwürfe. Zu Einzelheiten wollen sie sich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht äußern.

Der Verwaltungsausschuss des Rates hatte daraufhin am 16. November beschlossen, die Verträge mit der Theaterwerkstatt zu kündigen, wenn die „Ungereimtheiten“ nicht aufgeklärt werden können. Daraufhin hatte es noch einmal Gespräche zwischen RPA, Verwaltungsspitze und der Führung der Theaterwerkstatt gegeben. Sie brachten aber aus Sicht der Stadt keine Entkräftung der Vorwürfe. So wurden mit Schreiben vom 8. Dezember sowohl der Gastronomievertrag für den KTS als auch der Kooperationsvertrag gekündigt. Die Theaterwerkstatt soll die Kornmühle demnach bis Ende Januar räumen.

Verein: Nichts verschleiert

Beim Förderverein der Theaterwerkstatt stößt das Vorgehen der Stadt auf völliges Unverständnis. Aus Sicht der Vorsitzenden Eva-Maria Götting-Ennen und des künstlerischen Leiters Horst Gross sind die Vorwürfe nicht haltbar und überbewertet: „Wir haben sämtliche Kritikpunkte in den Gesprächen aufgeklärt und entkräftet“, befand Götting-Ennen gegenüber den GN.

Ein Steuerberater habe die Rechtmäßigkeit der Unterlagen aus 2014 bescheinigt, sagte sie zur Begründung. Dies sei im Rathaus schlichtweg ignoriert worden. Kleinere Fehler, die von der Vorsitzenden eingeräumt werden, seien durchaus entschuldbar, wenn „uns nach 23 Jahren zum ersten Mal ein Rechnungsprüfungsamt bewertet“. Dafür einen etablierten und erfolgreichen Verein wie die Theaterwerkstatt „an die Wand zu fahren“, sei eine vollkommen überzogene Reaktion: „Wir haben nichts verschleiert, wir haben uns nichts vorzuwerfen.“

Gross vermutet andere Beweggründe beim Bürgermeister und der Kulturreferentin: „Man will die Theaterwerkstatt raushaben, um das Theaterpädagogische Zentrum Lingen in der Kornmühle zu etablieren.“ Möglicherweise hätten die aus Rathaussicht zu kritischen Töne, wie sie etwa im Lokalkabarett „Stipp in de Pann“ angeschlagen wurden, zu einer anhaltenden Verärgerung geführt.

Aus Sicht von Gross bedeuten die Vertragskündigungen das vorläufige Aus für die Theaterwerkstatt: „Wir wüssten nicht, wohin.“ Er appellierte an die Politiker im Nordhorner Rat, „den Beschluss des Verwaltungsausschusses zu überdenken, damit wir als Verein weitermachen können“.

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Die Meinung unserer Leser

37 Leserkommentare

1. | Strump | Donnerstag, 15.12.2016 | 07:22 Uhr

Alles lächerlich . Herr Berling hat eine Personalpolik , die nicht schlechter sein kann . Ich verstehe gar nicht warum. Wer den nächstes mal wählt hat selber Schuld .

2. | RPA | Donnerstag, 15.12.2016 | 08:00 Uhr

@Strump: Der Verwaltungsausschuss hat aufgrund des Prüfberichtes des Rechnungsprüfungsamtes (deren Mitarbeiter vom Rat berufen werden) entschieden, also die Politik und nicht Herr Berling. Die Verwaltung bereitet die Beschlüsse vor, entscheiden muss aber die Politik!

3. | Paul Paulsen | Donnerstag, 15.12.2016 | 08:03 Uhr

Wir sind regelmäßige Besucher der Veranstaltungen von Stadt und Theaterwerkstatt in der Kornmühle. Die Aufführuingen der Theaterwerkstatt sind künstlerisch, obwohl von Laien dargeboten, einwandfrei und sehr ansprechend. Die Veranstaltungen der Stadt sind bei einigen Komikern teilweise stark unter der Gürtellinie. So stark, dass es Zuschauer gibt, die die Veranstaltung in der Aufführungspause verlassen haben. Da muß man sich fragen, ob die verantwortlichen Personen im Rathaus, sprich Kulturamt, die richtigen auf diesen Stühlen sind. Etwas mehr Niveau wärewünschenswert. Wenn es finanzielle Differenzen gibt, lassen die sich besprechen und klären. Was heute unter der o.g. Überschrift in der Zeitung zu lesen ist, ist der "absolute Hammer". Oder gehört es zum Stil des Bürgermeisters in der Mitarbeiterführung, zu entlassen statt zu besprechen und damit Differenzen aus der Welt zu schaffen.

4. | Brandlechter | Donnerstag, 15.12.2016 | 08:19 Uhr

Strump, wissen sie mehr? Die Vorwürfe wiegen schon schwer, es geht dort um den Umgang mit Zuschüssen. Es kann auch bei Künstlern nicht angehen, dass man damit nach Gutsherrenart umgeht. Die Vorwürfe sind ja nicht neu, warum hat man nicht entsprechend darauf reagiert?

5. | thinkpink35 | Donnerstag, 15.12.2016 | 08:22 Uhr

Räumung der Kornmühle? Das trifft sich doch ganz gut - will doch der künstlerische Leiter seinen nächsten großen Wurf eh unter freiem Himmel zur Aufführung bringen. Ich war schon lange nicht mehr in Vorstellungen des Kabaretts "Stipp in de Pann", mir fehlte eine klare Linie und ich mochte es nicht, dass jeder noch so kleine Strohhalm herbeigezerrt wurde, um daraus etwas Lustiges zu basteln. Sooo viel kabaretttaugliches geschieht dann in der Grafschaft doch nicht. Sollte "Stipp in de Pann" in den letzten Jahren zu einer ernsthaften Bedrohung der nordhorner Lokalpolitik mutiert sein: Respekt. Aber wundern würde es mich schon. Bisher fehlte die Tiefe. Und bisweilen auch der wirkliche Anlass. A propos: Würden Stadtverwaltung und Rat tatsächlich NICHT auf das Ergebnis der Rechnungsprüfung reagieren, hätte ein seriöses Kabarett wirklich allen Grund, Herrn Berling an den Pranger zu stellen. Aber so?


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