Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
rating rating rating rating rating

Schüttorfs Bürgermeister will neues Bürgerzentrum

s Bürgermeister will neues Bürgerzentrum
Die stilisierte Schüttorfer Kirche auf einem Bild im GN-Foyer hat Schüttorfs neuer Bürgermeister Jörn Tüchter beim Fototermin vor dem Gespräch gleich als passendes Motiv erkannt.Foto: Kersten

Spitze Bemerkungen hat es bisher keine gegeben, dafür viel Zuspruch: Vor einigen Wochen hat neue Schüttorfer Bürgermeister Jörn Tüchter sein Amt angetreten – als jüngster Grafschafter Bürgermeister mit gerade 32 Jahren.

Schüttorf. Am Anfang war Jörn Tüchter noch recht nervös, als die Fotografin ihre Anweisungen gab, dass er am besten etwas lockerer stehen sollte. Was ihm dann auch schnell gelang. Aber er war auf Anhieb auch sehr aufmerksam, denn den „Schüttorfer Riesen“ erkannte er an der stilisierten schwarz-weiß Darstellung an der Wand im GN-Foyer sofort und schlug dieses Fotomotiv mit der reformierten Kirche Schüttorfs auch prompt als Fotomotiv vor. Er ist Mitglied dieser Gemeinde.

Schon da hatte man den Eindruck: Der jüngste Bürgermeister der Grafschaft wächst schnell in seine Rolle hinein, zumal er als zweiter Stellvertreter die Aufgabe schon kennt. Im zweistündigen Gespräch für dieses Porträt wird dann klar: Der Mann macht Politik mit Leidenschaft und offenem Visier.

Schon in der Schule der Politik begegnet

Eher zufällig trifft Jörn Tüchter schon in der Realschule auf zwei Kommunalpolitiker, die ihm ab 2006 im Rathaus begegnen: Gerd Schrader (SPD) ist sein Englischlehrer, Bernd Kröner (SPD) sein Sportlehrer. Doch erst in Rheine in der Fachoberschule für staatlich anerkannte informationstechnische Assistenten nutzt ihm bei seinen politischen Diskussionen mit den Lehrern jenes schon vorhandene politische Wissen, dass er sich durch intensives Zeitungslesen bis dahin bereits angeeignet hat.

Dabei hat nur das jüngste von vier Kindern die Zeitung immer erst den politischen ersten Teil der Zeitung gelesen und das Blatt nicht von hinten – mit den Todesanzeigen beginnend – nach vorn durchforstet. Wieso ausgerechnet sein Jüngster so großes Interesse an Politik hat, weiß auch sein Vater nicht zu sagen. Der gelernte Schlosser, schon länger Ruheständler, freut sich aber sehr über den Werdegang seines Sohnes. Jörn Tüchter aber erinnert sich sofort an die Geschichte seines Großvaters, der im Zweiten Weltkrieg in Russland verschollen ist, was seinen Vater zu einer Kriegswaise gemacht hat. Deshalb habe ihn schon in der Schule die Zeit des Nationalsozialismus fasziniert.

Politik als „Ausgleich“

So wurde Politik für ihn zu einem „Ausgleich“ für einen anstrengenden Job als angestellter Geschäftsführer eines Nordhorner IT-Unternehmens. 60-Stunden-Wochen sind auf diese Weise keine Seltenheit, weil Jörn Tüchter oft um sieben aus dem Haus geht und erst um 22 Uhr wieder daheim ist. Tüchter hat noch keine eigene Familie und ist nicht nur bundesweit unterwegs zwischen Kiel und München, auch auf Tagungen in Finnland oder Kanada hat er schon spannende berufliche Erfahrungen gemacht. „In der IT-Branche lernt man früh, Verantwortung zu tragen, deshalb fällt einem das in der Politik dann vielleicht nicht so schwer“, bringt der 32-Jährige seine Entwicklung auf den Punkt.

Vielleicht ist es ja gar kein Zufall, dass er ausgerechnet bei der Schüttorfer Firma Kortmann-Beton eine Ausbildung zum Informatik-Kaufmann gemacht hat, wo sein Vorgänger als Bürgermeister als Verkaufsleiter tätig ist: Thomas Hamerlik war es denn auch, der Tüchter 2005 für die CDU gewann. Auch Hamerlik ist im Übrigen erstmals mit 33 Jahren Schüttorfer Bürgermeister geworden. Zunächst engagierte sich Tüchter in der seinerzeit besonders aktiven Jungen Union (JU). So gelang 2006 auf Anhieb der Einzug in den Stadtrat, 2016 ist also schon die dritte Ratsperiode, bei der letzten Kommunalwahl gelang erstmals der Sprung in den Samtgemeinderat.

Größter Wunsch: Das neue Bürgerzentrum

Dabei liegt Jörn Tüchter ein Thema besonders am Herzen: Das Bürger- und Kulturzentrum, denn bei seinem Engagement im Jugendzentrum Komplex in der Konzertinitiative „Zikadumda“ hat er all die Probleme kennengelernt, die 2006 schon länger als ein Jahrzehnt beklagt worden waren: Das Haus bietet zu wenig räumliche Möglichkeiten, ist alt und energetisch nicht mehr so zu sanieren, dass es wieder als zeitgemäß gelten könnte. „Es wäre schön, wenn ich das neue Bürger- und Kulturzentrum in meiner Amtszeit eröffnen könnte“, wird Tüchter schnell konkret, wenn man ihn nach seinem größten politischen Wunsch fragt. Auch in der Bürgerinitiative hat er sich dafür eingesetzt, zusammen mit Kommunalpolitikern von Grünen, SPD und Linken. „Ich hoffe, das klingt nicht zu ambitioniert“, fügt er gleich hinzu, denn im Kern sei er eher ein bescheidener und besonnener Mensch.

Deshalb freut er sich zwar darüber, dass er in einer Wachstumsgemeinde Schüttorf Bürgermeister ist, aber er ahnt auch, dass trotz des gesunden Branchenmix in den Gewerbegebieten es einmal anders kommen könnte. „Auch dann muss man seiner Verantwortung gerecht werden“, sagt er lapidar. Denn er hat schon nach der Finanzkrise erlebt, dass dann plötzlich noch viel vorsichtiger mit den Steuermitteln umgegangen werden muss. Ohnehin gehe es nicht darum, unzählige Millionen für Projekte zu investieren. Aber man müsse eben auch darauf achten, dass die weichen Standortfaktoren stimmen, damit man nicht Probleme mit dem Fachkräftemangel bekomme: Dazu gehören gut ausgestattete Kitas und Schulen, ebenso wie ein Bürger- und Kulturzentrum, damit nicht nur Kinder einen sinnvollen Treffpunkt hätten. Insofern lohne sich kommunalpolitisches Engagement für ein konkretes Ziel. Das war am Anfang auch sein Antrieb.

„Schwierig, junge Menschen für Politik zu begeistern“

Doch sei es inzwischen viel schwieriger, vor allem junge Menschen für die Kommunalpolitik zu gewinnen, das sei schon wieder ein „Generationswechsel“. Tüchter ärgert sich auch darüber, wie schnell besonders in den sozialen Medien sehr persönliche Kritik an den Kommunalpolitikern aufkommt. Aber auch auf der Straße wird er angesprochen – und das nicht nur, „wenn die Leute ein oder zwei Bier auf haben“. Mit solcher Kritik muss man erst mal leben, ist seine Haltung. Doch auf Facebook hält er sich mit politischen Statements zurück, weil man dort ständig präsent sein müsse, damit Diskussionen nicht aus dem Ruder laufen. Seine differenzierte Ansicht: Eigentlich müsste man Menschen für Ideen mit tollen Kommunikationsmitteln begeistern können, doch auch er ist oft erschrocken über das Niveau der oft sehr emotionalen Diskussionen, weil nicht nur Politiker mit sachlichen Argumenten kaum noch durchdringen. Außerdem sieht er das Problem der Reizüberflutung und die ständige Erreichbarkeit, die Erwartungen schafft.

Dabei sollte den Leuten doch eigentlich klar sein, dass die ehrenamtlichen Ratsmitglieder viel Freizeit opfern. „Wir diskutieren viel mehr als die alten Hasen früher, die viel von ihrer Erfahrung gelebt haben“, stellt Tüchter eine interessante Entwicklung fest. Den neuen Bürgermeister freut es, wie sehr junge Leute in Schüttorf sich der Verantwortung stellen: Denn auch der CDU-Fraktionssprecher Stefan Niehaus ist nur ein Jahr älter als er und der neue Ortsbrandmeister Simon Vernim ist noch jünger mit seinen 26 Jahren. Leider seien junge Menschen mit dem seinerzeitigen Junge-Union-Motto „50 Prozent Politik, 50 Prozent Party“ heute nicht mehr für bürgerschaftliches Engagement zu begeistern.

Diesen Artikel

bewerten

rating rating rating rating rating

weitersagen

  • Twitter
  • Facebook
Artikel versenden

sichern

Drucken

empfehlen

Die Meinung unserer Leser

0 Leserkommentare


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Mehr aus diesem Ressort

Kunstrasenplatz soll im Oktober fertig sein

nplatz soll im Oktober fertig sein

Die Aufträge für die Baumaßnahmen am Schüttorfer Sportpark sollen im Mai ausgeschrieben werden. Der Arbeitskreis Kunstrasenplatz hat sich derweil verschiedene Plätze in der Region angesehen. mehr...

Saunaräuber: Alles weg bis auf die Badehose

er: Alles weg bis auf die Badehose

Im vergangenen Sommer haben zwei Niederländer Spinde in Schwimmbädern aufgebrochen, um an die Autoschlüssel zu kommen und dann die Wagen zu stehlen. Sie waren auch in Bad Bentheim aktiv. Jetzt sagten Geschädigte aus. mehr...

Bahnhof Bentheim: Umbauarbeiten voll im Zeitplan

entheim: Umbauarbeiten voll im Zeitplan

In gut einem Jahr sollen die Umbauten im Bahnhofsgebäude und des Bahnhofsvorplatzes in Bad Bentheim abgeschlossen sein. Derzeit sei man mit vorbereitenden Maßnahmen beschäftigt, sagt BE-Vorstand Joachim Berends. mehr...

Neueste Top-Themen
Neueste
Heute meistgelesen
Heute gelesen
Soziale Netzwerke
  • GN-Online bei Facebook
  • GN-Online bei Twitter
  • GN-online bei google plus
E-Paper
  • GN-App im Apple-Store
  • GN-E-Paper als html5-Version
  • GN-App im Google-Play-Store
Jugendmagazin
Neueste